Protein-Biomarker stellen die Eckpfeiler gegenwärtiger und zukünftiger personalisierter Onkologie dar. Ihre akkurate quantitative Messung ist jedoch mit methodischen Hürden verbunden. Ausgehend von der bisherigen, quantitativ limitierten Standardtechnik Immunhistochemie wird gezeigt, dass enzymatische Deglykosylierung diese methodeninhärenten Probleme nicht mildern kann. Am Beispiel des Zielproteins eines Antikörper-Wirkstoff-Konjugats wird die quantitative Messung von Proteo- und Glykoformen eines Biomarkers durchgeführt und die Relevanz der Tumorspezifität hervorgehoben. Zur Verbesserung proteomischer Analysen klinischer Proben werden mehrere präanalytische Optimierungen vorgestellt, um auch niedrig-abundante Membranproteine als onkologische Schlüsselpopulation besser mittels LC-MS/MS messen zu können. Für die Stabilisation der Normalisierung und damit der Quantifizierung tumorspezifischer Unterschiede wird ein robuster Normalisierungsalgorithmus vorgeschlagen. Diese sowie weitere methodische Verbesserungen werden genutzt, um anhand einer Harnblasenkarzinom-Kohorte den prognostischen und prädiktiven Wert proteomischer Analysen zu zeigen. Dabei wird der phänotypisch-funktionelle Wert des Proteoms herausgestellt und die quantitative Tumorspezifität von Effektoren und (potenziellen) therapeutischen Zielen als grundlegende Ressource bestimmt.
View lessDas Ziel dieser kumulativen Habilitationsschrift war es, zu einem besseren Verständnis der Pathogenese der Spondyloarthritis beizutragen – zunächst klinisch über eine Analyse der Assoziation zwischen Spondyloarthritis und der akuten anterioren Uveitis, des Weiteren pathophysiologisch über die Analyse expandierter T-Zell-Klone in entzündeten Gelenken HLA-B*27 positiver Patient:innen mit Spondyloarthritis und ferner über eine Analyse verschiedener Biomarker und deren Assoziation mit Therapieansprechen, Krankheitsaktivität sowie radiografischer spinaler Progression bei Patient:innen mit axialer Spondyloarthritis. In den dieser Habilitation zugrunde liegenden Publikationen konnten wir zeigen, dass eine – in den meisten Fällen noch undiagnostizierte – Spondyloarthritis bei über der Hälfte der Patient:innen mit akuter anteriorer Uveitis vorkommt; mit Psoriasis, männlichem Geschlecht, HLA-B*27-Positivität und erhöhten Entzündungsparametern assoziiert ist; und nicht ausreichend durch bereits existierende Überweisungsstrategien erkannt wird. Zudem identifizierten wir in Einzelzellanalysen zytotoxischer T-Zellen aus der Synovialflüssigkeit klonale expandierte Populationen mit charakteristischen T-Zell-Rezeptor-Motiven bei HLA-B*27 positiven Patient:innen mit Spondyloarthritis. Transkriptomanalysen zeigten, dass expandierte Klone einen Tissue-Resident-Memory-Phänotyp aufwiesen und Gene für T-Zell-Exhaustion und Apoptose hochregulierten. Dies weist auf eine (auto-)antigen-getriebene Immunantwort hin. Biomarker, die über die routinemäßig bestimmten Entzündungsparameter hinausgehen, können Hinweise auf pathogenetische Zusammenhänge geben – so waren Calprotectin und LBP als Biomarker einer (intestinalen) Entzündung sowie gestörten Darmbarriere erhöht bei Patient:innen mit axialer Spondyloarthritis und zeigten eine Assoziation zur Krankheitsaktivität. Ferner können Biomarker prognostischen Wert besitzen: Die Biomarker Calprotectin, Visfatin, Leptin und sCTX waren mit einer radiografischen spinalen Progression in den folgenden Jahren unter Therapie mit Tumor-Nekrose-Faktor-alpha-Inhibitoren assoziiert. Allerdings scheinen global betrachtet diese Biomarker nebst deren Kombinationen nur einen geringen Vorteil gegenüber etablierten klinischen Parametern hinsichtlich der Beurteilung des Risikos einer radiografischen Progression zu besitzen.
View lessOsteoporotische Wirbelkörperfrakturen stellen aufgrund ihrer hohen Prävalenz und der damit verbundenen Morbidität eine bedeutende Herausforderung in der Wirbelsäulenchirurgie dar. Ziel dieser Habilitationsschrift war die Evaluation diagnostischer Verfahren zur Beurteilung der lokalen Knochenqualität sowie die Untersuchung klinisch relevanter Einflussfaktoren auf die operative Behandlung mittels Kyphoplastie.
Zunächst wurden die Aussagekraft der Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA) und der hochauflösenden Multidetektor-Computertomographie (HR-MDCT) anhand intraoperativer Wirbelkörperbiopsien mit mikrocomputertomographischer (µCT) Analyse als Referenzstandard untersucht. Es zeigte sich, dass weder die DXA bei Patient mit osteoporotischen Wirbelkörperfrakturen noch die HR-MDCT eine verlässliche Beurteilung der lokalen vertebralen Knochenqualität ermöglichen. Die Ergebnisse verdeutlichen den Bedarf an der Entwicklung und Validierung neuer diagnostischer Verfahren.
Der zweite Schwerpunkt der Arbeit lag auf der Optimierung der operativen Therapie mittels Kyphoplastie. Es konnte nachgewiesen werden, dass die Kyphoplastie nicht nur zu einer effektiven Schmerzreduktion führt, sondern auch das globale sagittale Profil der Wirbelsäule verbessert. Dieser Effekt korrelierte mit der lokalen Reposition des frakturierten Wirbelkörpers und war unabhängig von der postoperativen Schmerzreduktion. Darüber hinaus zeigte sich, dass das radiologische Repositionsergebnis maßgeblich vom Operationszeitpunkt abhängt: Eine operative Versorgung innerhalb der ersten sechs Wochen nach Fraktur ermöglichte eine signifikant bessere Wiederherstellung der Wirbelkörperhöhe als spätere Eingriffe. Schließlich konnte erstmals ein prädiktiver Zusammenhang zwischen der OF-Klassifikation und dem zu erwartenden Repositionsergebnis nach Kyphoplastie nachgewiesen werden.
Insgesamt tragen die vorliegenden Arbeiten zu einem verbesserten Verständnis der diagnostischen Limitationen bei osteoporotischen Wirbelkörperfrakturen sowie zu einer evidenzbasierten Optimierung der Indikationsstellung und operativen Therapie bei. Die Ergebnisse liefern wichtige Grundlagen für zukünftige diagnostische Entwicklungen und eine individualisierte Behandlung dieser Patienten.
View lessDie präzise Diagnosefindung und die Aufklärung molekularer Ursachen bei seltenen segmental progeroiden Erkrankungen mit Bindegewebsbeteiligung stellen die humangenetische Forschung und die Versorgung von Patient:innen vor große Herausforderungen. Das Ziel dieser kumulativen Arbeit war es daher, die klinische und molekulare Diagnostik für diese Betroffenen nachhaltig zu verbessern und die zugrundeliegenden Pathomechanismen weiterführend zu untersuchen. Im Rahmen von sechs eingebundenen Fachartikeln wurde ein translationaler Forschungsansatz gewählt, der Next-Generation-Sequencing-Verfahren mit in vitro und in vivo basierten funktionellen Analysen sowie biochemischen Tests in Serum und kultivierten Zellen kombiniert. Durch diese Methodik gelang es, das klinische und molekulare Spektrum der PYCR1-abhängigen Cutis laxa präziser zu definieren, wobei erste Daten zu einer Phänotyp-Genotyp-Korrelation auf mildere Verläufe durch spezifische Genvarianten hinweisen. Zudem wurden neue Variantentypen im Gen ALDH18A1 identifiziert. Dabei zeigte sich, dass bereits rekurrente de novo Veränderungen ausreichen, um einen progeroiden Cutis laxa Phänotyp hervorzurufen. Für das NBAS-abhängige SHOP-Syndrom konnte im frühen Kindesalter eine Cutis laxa ähnliche Symptomatik nachgewiesen werden, was diese Erkrankung als wichtige Differenzialdiagnose etabliert. Darüber hinaus wurden pathogene Varianten in ATP6V1A weiter charakterisiert. Diese führen zu einem schweren, metabolisch geprägten Phänotyp, der jedoch nach Überwindung der kritischen postnatalen Phase eine gute allgemeine Prognose aufweist. Darüber hinaus konnten pathogene Varianten in BUD13 als Ursache für ein neu definiertes segmental progeroides Syndrom beschrieben, dessen phänotypische Schwere durch alternatives Spleißen und variierende Expressionsniveaus einer stabilen Proteinvariante erheblich variiert. Zusammenfassend demonstriert diese Arbeit, wie die Synergie aus moderner Genomdiagnostik und funktioneller Grundlagenforschung die Identifikation neuer Krankheitsursachen und Differenzialdiagnosen ermöglicht. Die gewonnenen Erkenntnisse über zelluläre Schlüsselprozesse wie das Spleißen, den Proteintransport und die extrazelluläre Matrix erweitern das mechanistische Verständnis dieser Syndrome und verbessern dadurch direkt die molekulare Diagnosesicherheit für die Patient:innen und deren Familien.
View lessFür die Vermeidung von Schlaganfällen – sowohl hämorrhagischer als auch Ischämischer- sind chirurgische Therapieansätze keine weit verbreitete Vorsorge- Maßname. Die Reduktion von Risikfaktoren steht in den allermeisten Fällen ganz klar im Vordergrund. Dennoch haben die teilweise komplexen chirurgischen Therapiekonzepte in Fällen, wo andere Risikoreduktionsstrategien versagen, ihren Stellenwert. Wir konnten mit den hier zusammengefassten Arbeiten zeigen, dass es einen persistierenden Bedarf für operative Revaskularisierungsstrategien gibt, und dass die lokale chirurgische Applikation von Nicardipin freisetzenden Pellets ein vielversprechender Ansatz zur Vermeidung von sekundären Ischämien im Rahmen der SAB sein können. Im Bezug auf die Vermeidung von Blutungen aus zerebralen Aneurysmen haben wir sowohl Klassifikationssysteme entwickelt als auch die Verschlussstrategien nach einer Revaskularisierung systematisiert und ihre Klinische Anwendung ausgewertet. Die hier zusammengefassten Arbeiten zeigen sehr klar, dass die stetige Reevaluation einzelner Schritte solcher Behandlungsverfahren wichtig ist, um das perioperative Risiko zu reduzieren, operative Strategien besser planbar zu machen und sekundäre Ischämien verhindern zu können. Dass konservative prophylaktische Strategien und minimalinvasive endovaskuläre Verfahren in vielen Fällen eine ausreichende Behandlung von Risikofaktoren für Schlaganfälle darstellen, ist unumstritten, jedoch bleibt es wichtig, stetig zu hinterfragen, ob einzelne Subgruppen von Patient*Innen nicht von einer operativen Versorgung in den verschiedenen pathophysiologischen Situationen profitieren könnten.
View lessEinleitung Durch die Einführung von biologischen krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (bDMARDs) ist bei Patientinnen und Patienten mit axialer Spondyloarthritis (axSpA) eine nachhaltige Kontrolle der Inflammation möglich geworden. Die Annahme, dass unter einer Kontrolle der Inflammation Symptomfreiheit für diese Patientinnen und Patienten erreicht werden könne, bleibt jedoch unerfüllt. Noziplastische (NoP) und neuropathische Schmerzen (NP) stellen mechanistische Deskriptoren für Schmerzen dar, die das Konzept der nozizeptiven Schmerzen erweitern und spezifische Schmerzerlebnisse näher beschreiben. Ihre Beteiligung an der Symptomatik rheumatischer Erkrankungen ist Gegenstand aktueller Forschungsarbeiten.
Zielsetzung Die Untersuchung der Beteiligung von NoP und NP an der residualen Symptomatik bei Patientinnen und Patienten mit röntgenologischer axSpA (r-axSpA), die unter Therapie mit einem bDMARD stehen. Des Weiteren sollen spezifische sensorische Symptomprofile und Schmerzverteilungsprofile untersucht werden.
Methoden Zur Quantifizierung der residualen Symptomatik wurden der Ankylosing Spondylitis Disease Activity Score (ASDAS) und der Bath Ankylosing Spondylitis Disease Activity Index (BASDAI) verwendet. Das Ausmaß von NoP wurde mit dem Widespread Pain Index (WPI), während für NP der PainDETECT-Fragebogen (PD) verwendet wurde. Das erste Item des BASDAI wurde zur Quantifizierung der Fatigue verwendet. Lineare und logistische Regressionsanalysen wurden durchgeführt, um Assoziationen zwischen NoP bzw. NP und der residualen Krankheitsaktivität zu untersuchen. Für die Clusteranalyse der Schmerzverteilungsprofile wurden die Items des WPIs verwendet, wohingegen für die sensorischen Schmerzprofile die normalisierten Items des PD verwendet wurden.
Ergebnisse Sowohl der WPI (Regressionskoeffizient (b): 0,1, 95 %-Konfidenzintervall (KI): 0,04 - 0,17) als auch der PD (b: 0,05; 95 %-KI: 0,02 – 0,08) zeigten in der multivariablen linearen Regressionsanalyse eine signifikante Assoziation mit dem ASDAS bei Korrektur für zahlreiche mögliche Confounder. Auch für den BASDAI zeigten WPI (b: 0,24; 95 %-KI: 0,08 - 0,39) und PD (b: 0,17; 95 %-KI: 0,1 - 0,25) eine signifikante Assoziation. In einer Sensitivitätsanalyse in Patientinnen und Patienten mit nicht-erhöhten Entzündungswerten gemessen als C-reaktives Protein (CRP) ≤ 5 mg/l blieben diese Zusammenhänge signifikant. Auch für die Fatigue zeigte sich eine signifikante Assoziation zu WPI (b: 0,35; 95 %-KI: 0,06 - 0,64) und PD (b: 0,17; 95 %-KI: 0,03 - 0,31). Die Clusteranalysen ergaben 3 spezifische Schmerzverteilungsprofile und 4 sensorische Symptomprofile.
Schlussfolgerung Bei Patientinnen und Patienten mit r-axSpA, die unter Therapie mit bDMARDs stehen, können Teile der residualen Symptomatik durch die Beteiligung von NoP und NP erklärt werden. Die gezielte Untersuchung auf diese Schmerzkomponenten und ihre spezifische Therapie stellt einen möglichen Ansatz zur Reduktion residualer Symptome dar.
View lessIn den letzten Jahrzehnten hat die Lateral Lumbar Interbody Fusion (LLIF) in der Wirbelsäulenchirurgie zunehmend an Bedeutung gewonnen. Moderne chirurgische Ansätze reduzierten dieses Vorgehen vermehrt auf ein reines Standalone-Verfahren (SA-LLIF), bei dem auf eine zusätzliche dorsale Schrauben-Stab-Stabilisierung verzichtet wird. Der klinische Erfolg der SA-LLIF basiert maßgeblich auf der effektiven indirekten Dekompression neurogener Strukturen sowie der Etablierung einer dauerhaften ossären Fusion. Ein wesentliches mechanisches Versagen stellt dabei die Cagesinterung dar. Insbesondere die hochgradige Sinterung bei dem der Cage in den Wirbelkörper einbricht und die indirekte Dekompression nicht mehr gegeben ist, kann als Ursache für eine mögliche Revisionsoperation fungieren. Die vorliegende Habilitationsschrift untersucht in einem translationalen Ansatz sowohl implantatmaterialspezifische als auch biologische Einflussfaktoren auf das radiologische und klinische Outcome nach SA-LLIF und führt die Erkenntnisse in einem klinischen Entscheidungsfindungspfad zusammen. Im ersten Teil der Arbeit wurden materialbezogene Faktoren fokussiert. Während konventionelles Cages aus Polyetheretherketon (PEEK) zwar ein knochenähnliches Elastizitätsmodul aufweisen, jedoch eine geringe Osteointegration zeigen, bieten bisher verfügbare solide Titan-Cages eine exzellente Knochen-Implantat-Interaktion bei biomaterialtechnisch nachteiliger, zu hoher Steifigkeit. Durch das Verfahren des Elektronenstrahlschmelzens (3D-Druckverfahren) gelang es, eine neue Generation 3D gedruckter Titan-Cages mit poröser Struktur zu entwickeln. Arbeit 1 demonstrierte im primären SA-LLIF-Setting, dass diese 3D-gedruckte Titan-Cages im Vergleich zu PEEK-Cages mit signifikant geringeren Raten sowohl der generellen als auch der hochgradigen Cagesinterung assoziiert sind. Die zusätzlich durchgeführte multinominale logistische Regressionsanalyse zeigte ferner, dass Patient*innen welche mittels neuartigen Titan Cages versorgt wurden, weniger wahrscheinlich eine schwere Sinterung erleiden. In Arbeit 2 wurden diese Erkenntnisse auf das anspruchsvolle Kollektiv der Anschlusssegmentdegeneration (ASD) übertragen. Auch hier zeigten die porösen Titan-Cages eine signifikant reduzierte allgemeine Sinterungsrate, wenngleich sich bei den hochgradigen Sinterungen kein statistisch signifikanter Unterschied zu PEEK ergab. Hinsichtlich der Fusion (Arbeit 3) konnte nachgewiesen werden, dass 3D-gedruckte Titan-Cages im Vergleich zu PEEK zu einem signifikant früheren Zeitpunkt eine solide knöcherne Durchbauung induzieren, während PEEK-Cages im langfristigen Verlauf radiologisch aufschließen. Der zweite Teil der Arbeit adressierte die paraspinale Muskulatur als biologischen Einflussfaktor. Arbeit 4 evaluierte die Veränderungen der totalen Querschnittsfläche (TCSA), der funktionellen Querschnittsfläche (FCSA) und des Fettinfiltrationsanteils (FI%) des Musculus psoas major sowie der posterioren paraspinalen Muskulatur (M. multifidus/M. erector spinae) auf Höhe des operierten Indexlevels. Trotz des trans-psoas Zugangswegs zeigten sich postoperativ keine morphologischen oder qualitativen Veränderungen des M. psoas major, was den minimalinvasiven Charakter des Verfahrens untermauert. Überraschenderweise zeigte sich jedoch eine postoperativ erhöhte Fettinfiltration der nicht-operierten posterioren paraspinalen Muskulatur. Arbeit 5 untersuchte spezifisch den Zusammenhang zwischen der funktionellen Muskelbeschaffenheit (FCSA sowie dem Verhältnis von FCSA zur Wirbelkörperfläche, FCSA/VBA) und dem Auftreten hochgradiger Sinterungen. Es zeigte sich geschlechtsspezifisch bei Männern mit hochgradiger Sinterung eine signifikante Erhöhung dieser Parameter. Die multinominale Regressionsanalyse identifizierte eine größere FCSA des M. psoas bei Männern als unabhängiger Risikofaktor für eine postoperative schwere Sinterung. Zusammenfassend betonen die Ergebnisse dieser Habilitationsschrift die Überlegenheit poröser, 3D-gedruckter Titan-Cages bezüglich der mechanischen Stabilität und Fusionskinetik sowie die translationale Relevanz der präoperativen Muskelarchitektur. Zur Überführung dieser Erkenntnisse in den klinischen Alltag wurde ein strukturierter Entscheidungsfindungspfad entwickelt. Dieser aggregiert starke Kontraindikationen, relative Kontraindikationen sowie begünstigende Faktoren für eine SA-LLIF und mündet in einem dreistufigen Algorithmus („Erwäge SA-LLIF“, „Individuelle Entscheidung“, „Keine SA-LLIF“), um die Patientenselektion und somit die klinische Erfolgsrate der Standalone-LLIF nachhaltig zu optimieren.
View lessCutaneous T-cell lymphomas (CTCL) are a relatively rare disease with an estimated 3-4 new cases per year per million population in Europe and yet have been classified as se-rious due to lifelong morbidity and permanent sustained impairment of quality of life. Cur-rent therapies are often inadequate or lacking durable efficacy. Signaling pathways that inducing cell death are important for both suppression of tumorigenesis and efficacy of the antitumor therapy. However, the mechanisms leading to cell death in CTCL are cur-rently poorly understood. The aim of this study was to identify new therapeutic strategies to induce apoptosis in CTCL cells and to investigate the apoptotic signaling pathways in CTCL cells at the mo-lecular level. Four CTCL cell lines (HH, HuT-78, MyLa, SeAx) were treated with different effectors and subsequently analyzed by flow cytometry to quantify apoptosis, ROS pro-duction as well as loss of mitochondrial membrane potential and for regulation of the apoptotic signaling pathways by Westernblot. In this study, three therapeutic strategies were identified. A proapoptotic effect of ingenol mebutate PEP005 was demonstrated in two of four CTCL cell lines. The mechanism was associated with PKCδ (protein kinase C-delta) activation and subsequent activation of proapoptotic caspase-3. The resistant cell lines were characterized by certain molecu-lar characteristics such as expression of p53 and p21, as well as increased expression of the antiapoptotic proteins c-FLIP and XIAP, which could thus serve as candidates for stratification of patients. BH3 (Bcl-2 homology domain 3) mimetics represented the sec-ond group of compounds studied. The investigation on Mcl-1 inhibitor S63845 showed that two out of four CTCL cell lines were highly sensitive. The two cell lines with only low sensitivity to S63845, on the other hand, were characterized by high sensitivity to ABT-263 and ABT-737, which are known as specific inhibitors of Bcl-2, Bcl-w, and Bcl-xL. The sensitivity to S63845 was found to be correlated with the decreased expression of Bcl-2 and Bcl-xL and most importantly, with the absence of Bcl-w expression. Bcl-w could therefore be used as a biomarker for sensitivity of CTCL to S63845. The third strategy was based on the indirubin derivative DKP-071, which induced apoptosis depending on ROS induction. These three studied effectors could potentially be used as new therapeutic strategies for CTCL. Further analyses are required to validate the current findings.
View lessThis work focuses on applying the concept of pharmacoepidemiology at population level by exploring the real use of medicine among the adult population in Germany based on national representative data from the Robert Koch-Institute between 1998 and 2011. It identifies and describes socio-demographic gaps that reveal and quantify existing and persisting inequalities in medicine use in Germany. Medication use showed to be associated with health inequalities and gender gaps. Gender difference in medicine use is very complex with many factors promoting this gap from the consumer and from the provider side. Moreover, there is a lack of evidence in gender-based medicine use which is required to formulate recommendations for clinical guidelines. Data on real medicine use can inform public health measures, health professionals and clinical guidelines and increase awareness on the need for gender sensitive medicine use including prescription patterns in medical care. This work sets ground to advance the responsive and appropriate medicine use at population level. The evidence presented in this work can serve as a basis for policymakers, healthcare providers, and public health authorities to make informed decisions on public health interventions regarding medicine use.
View lessDie vorliegende Arbeit widmet sich der systematischen Evaluation, Analyse und klinisch-radiologischen Einordnung moderner Bildakzelerations- und Analyseverfahren in der Magnetresonanztomographie (MRT). Im Fokus stehen zwei zentrale methodische Entwicklungen der letzten Jahre: zum einen mathematisch fundierte Beschleunigungstechniken wie Compressed Sensing (CS), zum anderen Deep Learning (DL)-basierte Rekonstruktions- und Segmentierungsverfahren, die zunehmend Eingang in den klinischen Alltag finden. Ziel der zugrunde liegenden Arbeiten ist es, das Potenzial dieser Technologien anhand spezifischer klinischer Fragestellungen zu evaluieren und ihren möglichen diagnostischen Mehrwert und ihre Integration in bestehende Bildgebungsprotokolle zu bewerten. In insgesamt fünf eigenen Arbeiten wurden verschiedene Aspekte der MRT entlang der klinischen Bildgebungskette untersucht – von der Akquisition über die Rekonstruktion bis hin zur automatisierten Auswertung. Die Arbeit fokussiert auf Körperregionen, die sich jeweils durch spezielle anatomische Herausforderungen, wie z.B. eine hohe Anfälligkeit für Bewegungsartefakte auszeichnen, da hier ein großes Potential der neuen Akquisitions-, Rekonstruktions-, und Segmentierungstechniken zu erwarten ist. Die Arbeiten das gemeinsame Ziel den methodischen Fortschritt in den Dienst einer verbesserten klinischen Bildqualität, Effizienz und diagnostischen Sicherheit zu stellen. Die erste Arbeit befasst sich mit dem Einsatz von Compressed Sensing zur dynamischen kontrastmittelgestützten MRT (DCE-MRT) im Kopf-Hals-Bereich – einer anatomisch wie funktionell komplexen Region mit hoher Anfälligkeit für Bewegungsartefakte. Mit der neu etablierten CS-VIBE konnte in einer prospektiven Studie an 71 Patienten nicht nur die Bildqualität verbessert (p < 0.001), die Artefaktanfälligkeit reduziert (p < 0.001), sondern auch die Scandauer von 110 Sekunden für die 1mm Schichtdicke der Standard VIBE auf 3,4 Sekunden pro Schichtblock mit der CS-VIBE reduziert werden. Die ultraschnelle und hochaufgelöste Bildakquisition mit CS-VIBE ermöglicht damit im Kopf-Hals-Bereich eine DCE-MRT mit hoher temporaler und anatomischer Auflösung, die neben Perfusionsanalysen auch hochqualitative multiplanare Rekonstruktionen erlaubt. Die Studie zeigt exemplarisch, wie sich CS-Techniken auch außerhalb der typischen Anwendungsgebiete in der kardialen MRT oder der MRT der Leber zur Optimierung dynamischer Bildgebungsprotokolle in bewegungssensiblen Arealen wie dem Kopf-Hals-Bereich einsetzen lassen. Die zweite und dritte Arbeit fokussieren sich auf den Einsatz DL-gestützter CAIPIRINHA-VIBE-Sequenzen zur kontrastmittelverstärkten Bildgebung im Kopf-Hals-Bereich sowie der Nieren. Die zwei prospektiven Studien mit Einschluss von insgesamt 118 Patienten (zweite Arbeit – Kopf-Hals 68 Patienten; dritte Arbeit – Niere 50 Patienten) zeigen, dass durch den Einsatz DL-basierter Rekonstruktionsalgorithmen eine signifikante Verbesserung sowohl der Bildqualität als auch der diagnostischen Aussagekraft erzielt werden kann. Die DL4-VIBE erwies sich im Kopf-Hals-Bereich als besonders geeignet, um Bewegungsartefakte im Vergleich zu klinischen Standard-Sequenzen zu minimieren (p < 0.001) und die Gewebedifferenzierung zu verbessern (p < 0.001) bei gleichzeitig drastisch verkürzter Scandauer im Vergleich zu klinischen Standardsequenzen (DL4-VIBE 24s vs. Star-VIBE 241s und VIBE 125s). In der Nierenbildgebung führte der Einsatz von DLR zu einer verbesserten Darstellung und erhöhter Detailgenauigkeit (p < 0.001) fokaler Nierenläsionen, die durch eine reduzierte Schichtdicke mit Möglichkeit der MPR bei vergleichbarer Scandauer eine genauere Beurteilung komplexer Nierenläsionen ermöglicht. Die vierte Arbeit untersuchte in einer prospektiven Studie an 50 Patienten eine DL-rekonstruierte, sagittale HASTE-Sequenz zur T2-gewichteten Bildgebung der Harnblase. Die Ergebnisse belegen, dass durch die Kombination klassischer Sequenztechniken mit moderner DL-Rekonstruktion eine signifikante Reduktion von Bewegungsartefakten sowie eine substanzielle Verbesserung der anatomischen Detailerkennbarkeit erreicht werden kann (anatomische Detailgenauigkeit, p < 0.001 für DL-HASTE vs. HASTE und T2 tse) – bei gleichzeitig stark verkürzter Scandauer (DL-HASTE: 14 – 28s vs. HASTE: 39 – 66s und T2 tse: 120 – 240s; p < 0.001). Die Arbeit unterstreicht damit das klinische Potential der sagittalen DL-HASTE im Vergleich zum klinischen Standard der hochaufgelösten sagittalen T2 tse im kleinen Becken für standardisierte Becken-MRT-Protokolle. Die fünfte Arbeit evaluierte die Anwendung eines automatisierten DL-Algorithmus zur raster-basierten Segmentierung der multiparametrischen MRT. Aufbauend auf der nnU-Net-Architektur konnte in eine retrospektiven Evaluation von 50 Prostata MRTs gezeigt werden, dass eine standardisierte, reproduzierbare und anatomisch präzise Zuordnung von Läsionen im Rahmen eines 24-Sektor-Modells möglich ist (p < 0.0001 für korrekte, automatische Sektorzuordnung durch den Algorithmus vs. Radiologen). Die Ergebnisse verdeutlichen die Rolle von Deep Learning nicht nur als Beschleunigungsinstrument, sondern auch als integratives Werkzeug für eine strukturierte Befundung und interdisziplinäre Kommunikation in der modernen Radiologie. In Zusammenschau belegen die fünf Arbeiten dieser Arbeit das breite Anwendungsspektrum moderner Bildakzelerations- und Analyseverfahren in der MRT. Sie zeigen, dass sowohl CS als auch DL-basierte Techniken nicht nur technische Verbesserungen erlauben, sondern einen direkten klinischen Mehrwert in der Diagnostik und Befundung generieren. Dabei werden nicht nur Scandauer und Bildqualität adressiert, sondern auch neue Standards für die objektive Bewertung und automatisierte Auswertung medizinischer Bilddaten gesetzt. Die Ergebnisse leisten somit einen Beitrag zur Weiterentwicklung einer präzisen, effizienten und zukunftsorientierten MRT. Besondere Aufmerksamkeit verdient dabei der paradigmatische Wandel in der MRT-Rekonstruktion: Während klassische Verfahren auf linearen Modellen und vollständiger Datenakquisition basieren, ermöglichen nicht-lineare Methoden wie CS und DL eine gezielte Reduktion von Messdaten unter Erhalt der Bildaussagekraft. In diesem Zusammenhang zeigten sich insbesondere bei der Anwendung von DL-gestützten Algorithmen vielversprechende Resultate, sowohl hinsichtlich der Reduktion bewegungsbedingter Artefakte, als auch der Verbesserung der Weichteildarstellung –jeweils zentrale Aspekte für die klinische Diagnostik. Gleichzeitig wurde der Nutzen automatisierter Verfahren zur Segmentierung und Befundung aufgezeigt, die auf Basis standardisierter anatomischer Raster eine objektivere und reproduzierbarere Einordnung pathologischer Befunde erlauben. Insbesondere bei der Prostata-MRT konnte durch den Einsatz von KI-basierten Segmentierungsmodellen eine signifikante Reduktion interindividueller Varianz erreicht werden – ein zentraler Schritt hin zu einer standardisierten und qualitätsgesicherten Diagnostik.
„Wo das Denken aufhört, beginnt die Betrachtung.“ – Leonardo da Vinci Dieses Zitat bringt auf den Punkt, was auch die Radiologie der Zukunft auszeichnen könnte: ein Zusammenspiel aus technologischer Präzision und menschlicher Interpretation. Gelingt dieser Spagat, so könnte die Radiologie künftig deutlich effizienter und zugleich qualitativ hochwertiger agieren – mit Radiolog*innen in der zentralen Rolle als Kurator*innen der durch KI aufbereiteten Informationen. Die hier vorgestellten Arbeiten mögen hierzu dazu einen relevanten Beitrag leisten, indem sie demonstrieren, wie Beschleunigung und Optimierung der MRT bereits heute technisch realisierbar sind. Zugleich skizzieren sie Perspektiven, wie durch kontinuierliche Forschung und kritische Evaluation eine verantwortungsvolle und klinisch sinnvolle Integration von KI in die radiologische Praxis gestaltet werden kann.
View lessSeit den Anfängen der Elektronenmikroskopie (EM) haben zahlreiche technische und präparatorische Entwicklungen in diesem Bereich wissenschaftliche Erkenntnisse ermöglicht, die unser heutiges Verständnis der Zellbiologie begründen. In ihrer heutigen Vielfalt findet sie weiterhin breite Anwendung in technischen und biomedizinischen Disziplinen sowie der medizinischen Diagnostik. Seit etwa 30 Jahren ist hierbei eine zunehmende Zentralisierung von diagnostischen EM-Abteilungen durch Zunahme des Kostendrucks und Ausweichen auf Alternativmethoden zu beobachten. Neuartige EM-Technologien, wie sie in den letzten 10 Jahren insbesondere für 3D-Analysen entwickelt wurden, haben das Potential, einen möglichen Engpass in der Versorgung diagnostischer EM aufzufangen. Im Rahmen dieser Habilitationsschrift wurden die bekannten Limitationen der EM von diagnostischem Gewebe wie aufwändige Auswertungen am EM und Zugang zu Expert*innen für Bildinterpretationen vorgestellt, die möglicherweise nicht durch eine einfache Vergrößerung von bestehenden EM-Abteilungen kompensiert werden können. Es wurden präparatorische Grundlagen für Transmissionssysteme der EM verfeinert und anhand von Forschungsprojekten die konkreten Vorteile in der Anwendung digitalisierter Ultradünnschnitte in der Muskelpathologie und Infektiologie vorgestellt. Aktuelle Entwicklungen sprechen für eine weitere Beschleunigung der Aufnahmegeschwindigkeit von EM-Systemen, wodurch in absehbarer Zeit der routinemäßige Einsatz von großflächiger Ultradünnschnittdigitalisierung eingeführt werden könnte.
View lessThis habilitation thesis examines, in five complementary projects, how neuropsychiatric drugs and the ferroptosis cell-death pathway affect bone and cartilage regeneration and how these mechanisms translate into clinical risks in hip arthroplasty. In two- and three-dimensional cell culture models, modafinil, atomoxetine, and guanfacine inhibited osteogenic differentiation and migration of human mesenchymal stem cells, shifted the RANKL/OPG balance toward bone resorption, and additionally reduced chondrogenic matrix formation in three-dimensional spheroids without substantially impairing cell viability. In hemophilic arthropathy, ferroptosis was identified as a central mechanism of iron-induced cartilage damage. Ferrostatin-1, deferoxamine, and α-tocopherol reduced chondrocyte injury, indicating a potential therapeutic strategy. By contrast, pregabalin showed dose-dependent osteoanabolic effects in vitro, including increased cell proliferation, alkaline phosphatase activity, and mineralization. The clinical relevance of these findings was assessed in a matched registry study of 190,340 hip arthroplasties. Pre-existing neurological and psychiatric disorders were associated with higher rates of revision, dislocation, periprosthetic fracture, and mortality; patients with dementia, substance-related disorders, schizophrenia, and polyneuropathies were particularly vulnerable. Overall, the studies demonstrate that pharmacological, molecular, and functional factors jointly influence osteochondral regeneration and implant survival. The findings support preoperative risk stratification, interdisciplinary medication review, individualized implant selection, and structured mobilization and follow-up for high-risk patients.
View lessPrimär kutane Lymphome stellen eine seltene und biologisch heterogene Gruppe extranodaler Non-Hodgkin-Lymphome dar. Die vorliegenden Arbeiten beleuchten zentrale Aspekte dieser Erkrankungen – von epidemiologischen Veränderungen über diagnostische Biomarker bis hin zu Versorgungsstrukturen und dem Tumormikromilieu. Analysen großer Registerdaten zeigten deutliche Veränderungen in der Inzidenz und Verteilung kutaner Lymphome mit regionalen und zeitlichen Unterschieden. Gleichzeitig konnten molekulare Marker zur besseren Differenzierung von Mycosis fungoides und Sézary-Syndrom validiert werden, wodurch die diagnostische Präzision insbesondere in frühen und diagnostisch schwierigen Stadien verbessert werden kann. Weitere Untersuchungen verdeutlichten die entscheidende Rolle des Tumormikromilieus bei Krankheitsprogression, Immunescape und Therapieansprechen. Darüber hinaus zeigen Versorgungsanalysen auf Basis von GKV-Routinedaten relevante Herausforderungen in Diagnostik, Therapie und interdisziplinärer Betreuung von Patienten mit kutanen Lymphomen. Insgesamt tragen die Arbeiten zu einem besseren Verständnis der Epidemiologie, Pathogenese und klinischen Versorgung primär kutaner Lymphome bei und liefern wichtige Grundlagen für personalisierte diagnostische und therapeutische Konzepte.
View lessDa sowohl die absolute Zahl von PPI als auch die Kosten weiter steigen werden, stellt eine effektive Prophylaxe sowie Therapie die Grundlage für die Eindämmung eines sich anbahnenden globalen Gesundheitsproblems dar. Diese Habilitationsschrift wird sich anhand von insgesamt 6 Originalpublikationen mit der Frage beschäftigen, wie es zu Therapieversagen von PPI kommen kann und was mögliche evidenzbasierte Verbesserungsansätze in der Behandlung darstellen können. Einleitend werden dabei PPI hinsichtlich ihrer Pathogenese, Risikofaktoren, Definitionen, Diagnostik und Behandlung dargestellt, um einen angemessenen Kontext und Hintergrund zu schaffen. Dabei beschränkt sich die Habilitationsschrift auf periprothetische Hüft- und Kniegelenksinfektionen als häufigste Lokalisation von PPI, wobei die Originalpublikationen auch nur diese Gelenke analysieren.
View lessMechanotransduction describes the conversion of mechanical stimuli into biochemical signals and represents a fundamental mechanism regulating bone homeostasis and regeneration. During physiological bone remodeling, mechanical loading inhibits osteoclast-mediated bone resorption while stimulating bone formation, predominantly through osteocyte-mediated signaling. In contrast, during fracture healing, mechanical stimuli act directly on osteoblasts and their progenitor cells. The biomechanical environment, determined by fracture configuration and fixation stability, critically influences the mode and outcome of bone repair, ranging from primary bone healing without callus formation to secondary healing characterized by endochondral ossification. In critical-sized defects, the regenerative capacity of bone is exceeded, resulting in impaired healing or non-union.
The present habilitation thesis employed transcriptomic approaches to elucidate the molecular mechanisms underlying mechanotransduction, osteoblast differentiation, and fracture healing in complementary in vitro and in vivo models. Genome-wide expression profiling demonstrated that mechanical stimulation induces a rapid and highly dynamic transcriptional response involving immediate-early genes regulated through PKA-, MAPK-, and calcineurin-dependent signaling pathways. These responses were strongly dependent on the differentiation stage of osteoblasts. Combined mRNA and microRNA profiling further identified the miR-497∼195 cluster as an intracellular modulator of BMP signaling, thereby influencing osteogenic commitment, cellular proliferation, extracellular matrix synthesis, and mineralization.
Subsequent RNA sequencing enabled a comprehensive characterization of coding and non-coding transcripts, alternative splicing, and coordinated gene expression within topologically associated domains during osteoblast differentiation. Furthermore, de novo transcriptome assembly established a comprehensive ovine transcriptome resource, substantially expanding the genomic basis for translational fracture-healing research. Transcriptomic analyses of ovine and rat osteotomy models consistently identified genes associated with contractile fibers as major determinants of the biological response to the mechanical environment. These findings were corroborated by histological, biomechanical, and three-dimensional bioreactor studies demonstrating interactions between cytoskeletal organization, extracellular matrix architecture, tissue contraction, and gene regulation. Collectively, the findings presented in this thesis establish that osteoblast responses to mechanical stimulation are governed by both the cellular differentiation state and the surrounding biomechanical microenvironment, thereby providing a conceptual and molecular framework for future single-cell transcriptomic analyses of bone regeneration and fracture healing.
View lessIntroduction: The effect of fixation stiffness on fracture healing has been demonstrated in numerous studies. Plate working length (PWL) has been identified as an essential discriminator of healing success. Insufficient control and inconsistent reporting of mechanical boundary conditions have hampered the development of a more comprehensive fracture fixation mechanotherapy. This study aimed to define plate working length more accurately, establishing better comparability of literature, thereby potentially providing significantly higher clinical relevance. Methods: Firstly, we conducted a systematic literature search of the MEDLINE database through PubMed to evaluate the quality and quantity of reporting of PWL. Secondly a finite element analysis (FEA) in Abaqus 2019 (Dassault Systèmes®) and in vitro validation was performed to describe the effect of PWL more precisely. A cylinder with the material properties of cortical bone, a mid-diaphysiary transverse fracture gap and a locking compression plate and screws were modeled. To model the deformation of the plate around the screw upon loading appropriately, I developed and validated a new modeling method for the screw-plate interface: an isotropic ring structure was modeled with elastic properties, and placed between the head of the screw and the plate with a tie constraint to both surfaces. Validation was performed in vitro by cyclic loading of the locking screw with the same boundary conditions as the FEA. Six groups were defined with varying the number and allocation of screws. Within each group, four different models were calculated with varying boundary conditions: proximal and distal end. Models were loaded axially and deformation of the plate around the screws was recorded. Results: 187 studies could be included in the literature review. 55% did not report any PWL, and of the remaining 7% reported PWL (mean and variation) with a clear definition. The new ring structure’s modeling of the screw-plate interface allows for small movements within the screw-plate-interface, resulting in a more realistic deformation of the plate around the holes and a more even stress-distribution than the tie constraint commonly used in FEA. Plate deformation was mapped orthogonally to the loading axis. This showed a point of inflexion around the screw holes. This inflexion point was demonstrated as a peak in the plate deformation’s derivative and projected onto the center of the screw hole of the screw closest to the fracture gap. We propose to define PWL as the distance between the central axes of the two screws next to the fracture gap proximally and distally. It should be reported in a standardized manner, including mean and standard deviation in future publications, along with material and type of plate, enabling comparability between publikations and universal data translatability.
View lessDentale Implantate dienen dem Ersatz fehlender Zähne und haben sich in den letzten Jahrzehnten als Behandlungskonzept etabliert. In den meisten Fällen werden zweiteilige Implantate eingesetzt, um die prothetische Richtung und die konturgebende Weichgewebsproblematik zu berücksichtigen. Neben standardisierten Abutments ergaben sich durch die Entwicklung der CAD/CAM-Technologie im zahntechnischen Bereich und die Einführung von Hybridabutments aus Zirkon und Titan neue Möglichkeiten der Herstellung von implantatgetragenem Zahnersatz. Gerade im Hinblick auf die ästhetische Zone und etwaiger Veränderungen der Weichgewebsverhältnisse ist der Einsatz von zahnfarbenen Restaurationen von großem Interesse. Die biologische und klinische Konsequenz dieser neuen Konstruktionsmerkmale ist noch nicht ausreichend wissenschaftlich untersucht worden. In diese Studie wurden 102 Patient:innen mit einem Durchschnittsalter von 64,27 Jahren eingeschlossen. Insgesamt wurden bei diesen Patient:innen 462 Implantate inseriert und pro- thetisch festsitzend versorgt. Bei 52 Patient:innen (244 Implantate) wurden konfektionierte Titanabutments eingesetzt und bei 50 Patient:innen (218 Implantate) individualisierte Hybridabutments aus Titan und Zirkonoxid. Im Rahmen der Untersuchung wurden sowohl klinische, radiologische und soziale Parameter erhoben und beide Abutments dahingehend verglichen. Die individualisierten Hybridzirkonabutments (ihZiA) zeigten andere Designmerk- male (Emergenzwinkel und -profil) als die konfektionierten Titanabutments (kTiA), allerdings ohne Unterschied im jährlichen Knochenverlust zwischen den beiden Gruppen. Sichtbares Titan in der ästhetischen Zone beeinflusste die OHIP-14-Bewertung negativ. ProthetischeVersorgungen mit einem Emergenzwinkel (EW) von < 30° in Kombination mit einem konkaven Emergenzprofil (EP) in Verbindung mit einem dicken Gingivatyp zeigten geringere peri-implantäre Knochenabbauraten, unabhängig vom Abutmenttyp. Für die Optimierung des Langzeitergebnisses sind jedoch nicht nur das Material entscheidend, sondern vor allem die Schaffung einer ausreichenden Weichgewebedicke, die Reduzierung des Emergenzwinkels sowie die Verwendung eines konkaven Emergenzprofils. Zur Verbesserung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität sollte der ästhetischen Zone besondere Beachtung geschenkt werden.
View lessIntroduction. The gut-brain axis describes the bidirectional communication between die gastrointestinal tract and the central nervous system. It plays an important role in stress regulation. Disorders of the gut-brain interaction, such as obesity or irritable bowel syndrome (IBS), are stress-associated and exhibit high psychiatric comorbidity. However, the underlying pathomechanisms are not yet fully understood. Gastrointestinal peptide hormones are involved in metabolic functions as well as emotion regulation. In animal models the anorexigenic peptide NUCB2/nesfatin-1 is expressed in response to stress, inducing anxiety- and depression-like behavior. In humans, alterations in NUCB2/nesfatin-1 plasma concentrations have been associated with various psychiatric disorders. This study investigates the role of acute stress and psychiatric comorbidities in obesity and IBS. Methods. A systematic literature review was conducted, including studies from the databases MEDLINE, Embase and PsychINFO that examined the reactivity to acute psychological stress in irritable bowel syndrome compared to healthy controls. In a second study, we investigated changes in NUCB2/nesfatin-1 plasma concentrations, salivary cortisol, heart rate and subjective emotional state in response to the Trier Social Stress Test (TSST) in obese and normal-weight women. Obese women were subdivided into a high and low anxiety group. Results. In the 37 studies included changes in emotions, gastrointestinal symptoms and motility, autonomic and endocrine stress axes, functional brain activity and immune response were examined. IBS symptoms are induced by stress and affected individuals show a hypervigilance. Findings regarding autonomic and endocrine stress-reactivity are inconclusive. Confounding factors and psychiatric comorbidities can influence the stress response. Obese women exhibit higher psychopathology. The TSST induced a robust emotional and physiological stress response (p<0.001). In normal-weight women, NUCB2/nesfatin-1 levels increased following the stressor (p=0.011) and decreased during recovery (p<0.050). In obese women, only a decrease during recovery (p=0.002) was observed. In the high anxiety group, an overall increase of NUCB2/nesfatin-1 levels was found (TSST: +34%, p=0.008; control condition: +52%, p=0.013). Conclusion. In obesity and irritable bowel syndrome altered stress reactivity was found. Moreover, stress regulation is also affected by the highly prevalent comorbidities. Thus, our results contribute to a better understanding of the underlying pathomechanisms of respective conditions. Future studies should to conduct subgroup analyses regarding potential confounders.
View lessBackground: Age-related macular degeneration (AMD) and cataract are among the most common ocular diseases in the elderly, with advancing age representing the dominant risk factor for both. Their co-occurence is frequent and leads to an additive decline in visual acuity. This retrospective, monocentric real-world study aimed to evaluate the impact of cataract surgery on best-corrected visual acuity (BCVA), macular morphology, and VEGF (vascular endothelial growth factor) inhibitor therapy in patients with AMD. Methods: A total of 418 eyes from 418 patients diagnosed with either dry or neovascular AMD and undergoing cataract surgery at Charité Campus Benjamin Franklin were included in the analysis. Data were extracted from the Berlin Macular Registry. In addition to BCVA, quantitative and qualitative OCT (optical coherence tomography) parameters were assessed, including central retinal thickness (CRT), macular volume (MV), the presence of macular edema, intraretinal or subretinal fluid, and pigment epithelial detachment. For patients with neovascular AMD, injection intervals of VEGF inhibitor therapy were also analyzed. Results: Patients were divided into a dry AMD cohort (n = 333) and a neovascular AMD cohort (n = 85). At the two-month follow-up, both cohorts demonstrated significant improvements in BCVA: in the neovascular AMD cohort, mean BCVA improved from 0.69 ± 0.45 logMAR to 0.47 ± 0.42 logMAR (p < 0.001), and in the dry AMD group, from 0.53 ± 0.47 logMAR to 0.27 ± 0.32 logMAR (p < 0.001). These gains were sustained through the final follow-up visit after an average of 18.8 ± 19.5 months. Transient postoperative increases in CRT and MV were observed but returned to baseline within six months after surgery. Among patients with neovascular AMD, no significant change was observed in the frequency of intravitreal VEGF inhibitor injections postoperatively. Conclusion: This retrospective analysis suggests that catarct surgery may lead to visual benefits in patients with AMD across all disease stages under real-world clinical conditions. Improvements in visual acuity were both significant and sustained. Temporary morphological retinal changes following cataract surgery did not lead to adverse long-term outcomes. Moreover, the need for VEGF inhibitor therapy in patients with neovascular AMD remained unchanged. Overall, the data provide valuable real-world evidence supporting the safety and efficacy of catarct surgery in patients with AMD.
View lessDie Immunthrombozytopenie (ITP) ist eine Autoimmunerkrankung, die zu den seltenen Erkrankungen zählt. Die Common Variable Immundeficiency Disorder (CVID; deutsch: das variable Immundefektsyndrom), ebenfalls eine seltene Erkrankung, ist der häufigste symptomatische primäre Immundefekt bei Erwachsenen. Zu den Symptomen zählen u.a. eine erhöhte Infektionsneigung sowie Autoimmunzytopenien. Durch die unspezifische Symptomatik wird die CVID häufig erst viele Jahre nach Symptombeginn diagnostiziert, was zu einer erhöhten Morbidität und Mortalität dieser Gruppe führt. Die ITP ist die häufigste autoimmune Manifestation bei der CVID und wird meist vor der CVID diagnostiziert. Für diese Promotion wurde eine Pilotstudie durchgeführt, in der 20 ITP Patient:innen ohne CVID und 20 CVID-related-ITP Patient:innen retrospektiv und prospektiv miteinander verglichen wurden. Dazu wurden genetische Untersuchungen, Laborparameter, Therapielinien sowie radiologische und klinische Be-funde in einem Zeitraum von über zwei Dekaden ausgewertet. Ziel der Studie war es, den ITP Verlauf der beiden Kohorten grundlegend zu charakterisieren und besonders den WHO Schweregrad und die Remissionsraten der ITP zu vergleichen. Es zeigte sich, dass ITP Patient:innen mit CVID einen höheren WHO Blutungsgrad bei Diagnosestellung hatten, jedoch weniger Therapien im Verlauf benötigten und häufiger die Remission erlangten. ITP Patient:innen ohne CVID brauchten häufiger Zweitlinientherapie und insgesamt bis zu sieben Therapielinien. Zusätzlich wurden die ITP Patient:innen ohne CVID immunologisch charakterisiert, basierend darauf, dass kein Immundefekt bekannt war. Es zeigte sich bei fünf Patient:innen ein Mangel an Immunglobulinen und bei sieben Patient:innen eine Lymphozytopenie. Drei Patient:innen bedurften direkter und regelmäßiger Therapie der Lymphozytopenie. Erstmals wurde in dieser Studie gezeigt, dass der lösliche Interleukin-2 Rezeptor (sIL-2R, CD25) Patient:innen mit CVID und ITP mit einer hohen Diskriminierungsfähigkeit von ITP Patient:innen unterscheiden kann, mit einer Area Under the Receiver Operating Characteristic (AUROC) von 0,92. Insgesamt zeigt diese Studie nicht nur wichtige Unterschiede im ITP Verlauf zwischen beiden Gruppen auf, sondern unterstreicht erneut die Notwendigkeit des Screenings von ITP Patient:innen auf Immundefekte. Zum Zeitpunkt der Studie gehörte das Screening für Immundefekte nicht zur Basisdiagnostik der ITP. Die Nutzung der Kriterien der European Society for Immunodeficiencies (ESID), die Immunglobuline IgG, IgA und IgM und des in dieser Studie untersuchten Markers sIL-2R, sowie eine fachübergreifende Zusammenarbeit könnten zu einer Verbesserung des Outcomes der CVID- und ITP-Patient:innen führen.
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