Based on the view that politeness is not a fixed set of rules but a social practice that adapts to changing historical conditions, the collective volume Politeness Crossing Times and Spaces examines how norms of appropriate verbal and nonverbal behavior emerge, shift and are renegotiated over time. The contributions show that changes in politeness rarely take the form of sudden breaks but instead develop through gradual and often subtle processes grounded in specific communicative situations. By analyzing interactions in a variety of historical settings, from Classical Antiquity to contemporary Oceania, the case studies demonstrate how speakers and writers continually adjust linguistic forms and interactional practices to new social realities, including contexts of cultural contact and transfer. In this way, the volume offers fresh perspectives on politeness research and opens up broader insights into historical pragmatics, while remaining accessible to readers interested in the dynamics of social interaction across time and cultures.
Weniger anzeigenWhile any conceivable piece of information is only one click away for inhabitants of the 21st century, such was not the lot of our 17th century counterparts. Théophraste Renaudot’s establishment of a Bureau d’adresse, a place dedicated to the exchange of knowledge, therefore addressed a dire need, and captured the interest of other European “intelligencers”. The Parisian Bureau not only functioned as an entrepôt for practical information but also housed the Conférences, Renaudot’s academy. The Conférences aimed at no lesser goal than to vulgarize knowledge for as large an audience as possible and to brush off the dust it had supposedly acquired in scholastic university: hence the title of the present study, nettoyer l’étude de la poussière. This volume analyzes the Conférences and their printed records and connects them to other early modern modes of knowledge negotiation from the perspective of a transdisciplinary history of knowledge. It argues that on an individual level, the various participants of the Conférences did not radically break with dialectical and rhetorical traditions; yet the printed records of their meetings did present knowledge in a new medial form that epitomizes fundamental trends in the contemporary Republic of Letters.
Weniger anzeigenVormoderne Schriften zur Haus- und Familienführung, sogenannte Ökonomiken, gelten traditionell als bewahrendes Schrifttum, das sich von der Antike bis in die Frühe Neuzeit kaum verändert hat. Ausgehend von der Untersuchung italienischer Dialoge des 15. und 16. Jahrhunderts setzt sich Christina Schaefer kritisch mit dieser Auffassung auseinander. Schenkt man nämlich der komplexen rhetorischen Faktur der Texte stärkere Beachtung, zeigen sich auch in oberflächlich stabil erscheinenden ökonomischen Wissensbeständen bemerkenswerte Veränderungen und Verschiebungen. Besonderes Augenmerk verdienen dabei jene Dynamiken des ökonomischen Diskurses, die durch die Integration von konventionell als distinkt wahrgenommenen oder sich zeitgenössisch erst ausprägenden Diskursen und Wissensbereichen entstehen: etwa durch die des gelehrten, poetologischen, religiösen oder höfischen Diskurses oder auch die eines praktischen Handlungs- und Erfahrungswissens. Zugleich eröffnet die an der Schnittstelle von Literaturwissenschaft und Wissensgeschichte angesiedelte Studie neue Perspektiven auf bekannte (und weniger bekannte) Texte der italienischen Renaissance: darunter Leon Battista Albertis Libri della famiglia (1433–41), Sperone Speronis Dialogi (1542), Stefano Guazzos Civil conversazione (1574/79) und Torquato Tassos Padre di famiglia (1580).
Weniger anzeigenDie Preisfragen der französischen Akademien entwickelten sich im 18. Jahrhundert zu einem populären Medium der europäischen Gelehrtenrepublik. Durch die ungewöhnlich inklusiven Zugangsbedingungen mobilisierte der concours académique eine beträchtliche Teilnehmer*innenschaft über den herkömmlichen Gelehrtenstand hinaus. Dieses öffentlichkeitswirksame Genre erschließt die Breite des zeitgenössischen Wissenstransfers abseits der bekannten Autoren und etablierten Debattenforen. Martin Urmann geht in seiner Studie der Frühgeschichte des concours académique seit 1670 nach und rekonstruiert die wissens- und mediengeschichtlichen Voraussetzungen dieser vielbeachteten, aber noch immer wenig erforschten Gattung. Die Preisfragenpraxis gründet tief in den Langfristtraditionen von Dialektik und Rhetorik und verbindet die frühneuzeitlichen Akademien entgegen deren historischer Selbstdarstellung mit den scholastischen Wissenstechniken an den Universitäten. Der concours académique wirft somit ein anderes Licht auf die Gelehrtenkultur der Sozietätsbewegung und legt deren agonale Wurzeln frei. Vor diesem Hintergrund wird sodann der sich wandelnde Geltungsanspruch greifbar, den die Preisfragenliteratur im Laufe des 18. Jahrhunderts bekundet. Nun werden speziell die prix d’éloquence zu einem Reflexionsmedium der prägenden epistemischen Verschiebungen innerhalb der Gelehrtenrepublik seit dem 17. Jahrhundert. Sie gehen den tiefgreifenden Veränderungen, die mit der Umstellung auf Distanzkommunikation im Medium der Schrift und mit dem Wissensmodus der Akkumulation von Fakten verbunden sind, kritisch auf den Grund.
Weniger anzeigenMichael Maiers Atalanta fugiens (1617/18) zählt ohne Frage zu den Werken, die unser Bild von ‚Alchemie‘ am meisten geprägt haben. Neben den Fugen und Emblemen, denen die Atalanta ihre Prominenz verdankt, bietet die textkritische Edition von Simon Brandl erstmals eine moderne Übersetzung der lateinischen Begleittexte (der sogenannten Discursus), jeweils versehen mit einem ausführlichen Kommentar. Dieser dient dem Nachweis von Quellen, dem Verständnis obskurer Textstellen sowie der Erläuterung des in der Atalanta verarbeiteten Wissens. Dieses Wissen ist im Wesentlichen ein chemisch-praktisches, wie es um 1600 in verschlüsselter Form durch althergebrachte Florilegien und Vers-Bild-Traktate tradiert wurde. Maier imitiert in der Atalanta den intransparenten Charakter dieser Bücher, indem er das verhandelte (al)chemische Wissen anhand einer Fülle von Allegorien auf den Gebieten von Mythologie, Historiographie, Medizin, Zoologie und Astronomie vermittelt. Hierbei nimmt die Mythologie insofern eine exponierte Stellung ein, als Maier in dieser prinzipiell nichts anderes erkennt als einen Kosmos von (al)chemischen Allegorien. Im Zentrum der chymia – so lautet Maiers Alchemie-Begriff – steht die Zeugung des Steins der Weisen, der Gesundheit und nie versiegenden Reichtum spendet. Indes dient die Atalanta erklärtermaßen nicht dem Erlernen der Laborpraxis, sondern dem ‚Genuss mit allen Sinnen‘ sowie, im Zuge der Allegorese der chymischen Geheimnisse, einer Schulung des Intellekts. Das didaktische Programm der Atalanta offenbart sich vor diesem Hintergrund als ein ‚ludus‘, in dem sich das kreative Spiel der Natur widerspiegelt.
Weniger anzeigenNatural Resources in Early Modern Economies of Knowledge investigates the epistemological dimension and the social embedding of early modern resource policies. It especially addresses the knowledge economy of two resource groups ‒ water and extracted minerals ‒ in their cultural contexts. The study of the practical dimension implies that special attention is paid to labor activities such as mining, fishing and engineering, while the investigation of the cognitive dimension concerns the codification and transmission of knowledge about terrestrial and aquatic resources, both vernacular and scientific. The contributions of this volume provide a comprehensive overview of the knowledge layers that underpinned the material and immaterial economy of the early modern period in fields such as natural history, proto-geology, metallurgy, alchemy, early hydrology, ichthyology, tidal theories, natural philosophy and cosmology. They address the multi-layered episteme of resource-related knowledge from the sixteenth to the late eighteenth century, and argue for the intertwining of social organization, practices (including the use of technology), and theoretical learning. The articles also point out the ecological roots and consequences of economic-epistemological activities and the shifting conceptualization of the natural resources that were exploited and valued.
Weniger anzeigenDem Konzept der ‚Affordanz‘, das insbesondere durch den Wahrnehmungspsychologen James J. Gibson geprägt wurde, liegt die Auffassung zugrunde, dass der Umwelt und ihren natürlichen wie artifiziellen Objekten ‚Angebote‘ inhärent sind, die von Lebewesen unmittelbar wahrgenommen werden können und einen entsprechenden Umgang mit ihnen ermöglichen. In Designtheorie und Soziologie ist dieser Ansatz breit rezipiert worden, um sowohl Fragen nach einem spezifischen Umgang mit Material als auch nach Handlungsprivilegien im Kontext von Subjekt-Objekt-Dichotomien zu diskutieren. Innerhalb der Kultur- und Literaturwissenschaften wurde das Konzept dazu herangezogen, um die Relationen zwischen Artefakten wie Bildern oder Texten und ihren sozialen wie materiellen Bedingtheiten – gerade in ihrer Wechselseitigkeit – zu bestimmen. Im Hinblick auf die Untersuchung von Texten kommt dem Konzept der Affordanz in seinem Verhältnis zu Form eine zentrale Rolle zu. Der von Jutta Eming, Claire Taylor Jones und Carolin Pape herausgegebene Sammelband widmet sich diesem Konzept. Er geht auf eine im Juli 2022 veranstaltete internationale und interdisziplinäre Tagung zurück und stellt die dort diskutierten Ansätze vor, Möglichkeiten und Grenzen des Konzepts der Affordanz und seiner Verbindungen zu Formen auszuloten. Im Zentrum der Auseinandersetzung stehen die Affordanzen erzählter Materialitäten innerhalb verschiedener Erzähltexte, außertextueller Objekte wie Ausstellungsgegenständen oder Schrifttypen, spezifischer Gattungen, Textsorten und Schreibweisen sowie textinhärenter Strukturen.
Weniger anzeigenCiceroniana erforscht die vielseitige Verwendung der Erzählform Anekdote in Ciceros rhetoriktheoretischen und philosophischen Schriften. Damit liegt eine Studie vor, die mit der Prämisse eines systematischen Einsatzes der Anekdote bei Cicero erstmals unter Berücksichtigung aller theoretischen Texte dem anekdotischen Schreiben Ciceros in seinen praktischen Anwendungen und theoretischen Reflexionen auf den Grund geht und zudem nach der Rolle Ciceros in der Entwicklung des Miniaturgenres von der Antike bis zur Moderne fragt. Besonderes Interesse gilt den epistemischen Rückstößen dieses Miniaturnarrativs auf Ciceros Vermittlung von Rhetoriktheorie und Philosophie. Neben Detailinterpretationen ausgewählter Anekdoten in Zusammen- und Gegenspiel mit ihren Kontexten, in ihren verschiedentlichen De- und Rekontextualisierungen bei Cicero selbst oder in ihrer Funktion als argumentative Strukturelemente und signifikantes Stilmerkmal intradiegetischer Sprecher bietet dieses Buch auch einen Überblick über sämtliches anekdotisches Material in Ciceros Philosophie und Rhetoriktheorie. Im Abgleich der Anekdote mit anderen, weitaus häufiger erforschten narrativen Kleinformen wie dem exemplum oder der Aitiologie macht Ciceroniana die Anekdote zu einem gleichrangigen Wissensträger der Antike und einem zentralen Element antiker Wissensgeschichte.
Weniger anzeigenDas Logbuch Wissensgeschichte gibt vielfältige, inter- und transdisziplinäre Einblicke in Untersuchungsverfahren, materiale Forschungsgegenstände sowie begriffliche Instrumentarien des Sonderforschungsbereichs 980 Episteme in Bewegung. Wissenstransfer von der Alten Welt bis in die Frühe Neuzeit. Die hier zusammengeführten Studien und konzeptuellen Überlegungen zu Wissen in vormodernen Kontexten eröffnen in fünf Fokusbereichen – Modi, Material & Medium, Praktiken, Macht, Momentum – unterschiedliche Perspektiven auf ‚Episteme in Bewegung‘ und damit auf zwölf Jahre Verbundforschung. In den Beiträgen werden Begriffe und Konzepte in ihrer Produktivität für konkrete Fallstudien und ihre jeweiligen Forschungsgegenstände navigatorisch erprobt, reflektiert, präzisiert und zugleich in Bewegung gehalten. Das hier entfaltete Forschungsspektrum versteht sich als Ausgangspunkt, um den Leser⋅innen Anregungen für zukünftige Forschungen zu bieten.
Weniger anzeigenDie um 1600 vertretenen Spielarten der sogenannten ‚Alchemie‘ zeichnen sich durch einen außerordentlichen Reichtum an Formen der Darstellung aus, die ihrerseits mit mannigfaltigen Dynamiken des Wissenstransfers einhergehen. Der Sammelband widmet sich diesen Dynamiken und Darstellungsformen, wobei das Werk Michael Maiers (1568–1622) im Mittelpunkt steht. Das (al)chemische Wissen, das Maier in seinen Schriften auf allegorischem Wege in rätselhafter und geheimnisvoller Form vermittelt, begegnet zeitgleich in den ersten Lehrbüchern der ‚Chemie‘ in unverschlüsselter Form. Der spielerische, späthumanistische Impetus, mit dem Maier dieses Wissen in Emblemen und Epigrammen, in anakreontischen Versen und in Dialogen vermittelt, kontrastiert dabei deutlich mit paracelsistischen Formen (al)chemischen Wissens und seiner spiritualistischen Ausrichtung. Die Beiträge des Bandes lassen die (Al)Chemie um 1600 insgesamt als ein komplexes Geflecht von epistemischen Strängen sichtbar werden, die jeweils an verschiedene Wissenstraditionen anknüpfen, einander kreuzen, sich überlagern und miteinander in Wechselwirkung stehen.
Weniger anzeigenBased on the assumption that every transfer of knowledge is, implicit or explicit, accompanied by an evaluation of its efficiency, the contributions of Beyond the State Examinations strive to explore various types of knowledge evaluation in premodern Korea. While most previous research in this area focused on the government service examination system, which served as the backbone of the civil and military structure of the Chosŏn state (1392–1910), the present volume explores new perspectives on both formal and informal modes of knowledge evaluation employed in Buddhist communities, literati gatherings, educational settings, military circles or among women. It shows that the male, elite-centered state examination system and its top-down hierarchy was only one, often critically questioned, type of knowledge assessment practices in Chosŏn society. A broader understanding of knowledge evaluation raises questions such as who assessed Buddhist enlightenment, how military prowess was measured, or why knowledge of literary allusions could not only bring success or failure in the state examinations, but was also a notable form of entertainment for its participants.
Weniger anzeigenIn den Wunderkammern der Frühen Neuzeit werden außergewöhnliche Objekte versammelt und einem exklusiven Publikum präsentiert. Aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften und Materialitäten sind die ausgestellten Artificialia, Naturalia und Exotica darauf ausgerichtet, bei Betrachtern Staunen auszulösen. Aspekte des Erzählens spielen hierfür eine wesentliche Rolle: hinsichtlich der literarischen Vorgeschichte(n) der Wunderkammer oder des Zusammenspiels multipler ‚Objektbiografien‘, aufgrund narrativer Elemente in Formen der räumlichen Zusammenstellung, Ordnung und Präsentation oder wegen der seriell und perspektivisch bestimmten Erfahrungen der Besucher. Damit eng verknüpft ist vor allem im höfischen Kontext die politische Funktionalisierung von Wunderkammern. Das Sammeln wertvoller Dinge und die damit verbundene Repräsentation von Wissen generieren kulturelles und symbolisches Kapital. Praktiken der Kombination, Unterscheidung und Narration definieren Wissensbereiche und verfestigen sie institutionell. Die Beiträge des Sammelbands widmen sich diesen narrativen, institutionellen und materiellen Dimensionen von Wunderkammern in theoretisch und methodisch grundlegender Weise und beziehen diese aufeinander; damit sind sie Versuche, die Forschung an der Schnittstelle zwischen Literatur-, Wissens- und Museumsgeschichte für die Mediävistik und Frühneuzeitforschung produktiv zu machen.
Weniger anzeigenDie Kulturen des antiken Mesopotamiens und angrenzender Regionen werden mit Blick auf eine dort über mehrere Jahrtausende genutzte Schriftart auch als „Keilschriftkulturen“ bezeichnet. Die Verwendung der Keilschrift setzt in Südmesopotamien etwa um 3300 v.Chr. ein und reicht bis in das 2. Jahrhundert unserer Zeit. Im Laufe ihrer mehr als drei Jahrtausende umspannenden Überlieferungsgeschichte wurde die Keilschrift an mehr als ein Dutzend unterschiedlichster Sprachen angepasst; die bekanntesten sind Sumerisch, Akkadisch, Hethitisch, Hurritisch, Elamisch, Ugaritisch, Urartäisch und Altpersisch. Derartige Anpassungsprozesse basieren auf Bewegungen von Schrift- und Sprachwissen, die sich in Abhängigkeit von soziohistorischen und linguistischen Rahmenbedingungen sowie funktionellen Nutzungskontexten der Schrift vollzogen. Der von Eva Cancik-Kirschbaum und Ingo Schrakamp herausgegebene Band führt in die Thematik ein und beschreibt anhand diachroner und diatoper Fallstudien aus drei Jahrtausenden keilschriftlicher Überlieferung derartige Bewegungen von Schrift- und Sprachwissen.
Weniger anzeigenFalk Quenstedt zeigt in seiner Studie zu drei um 1200 entstandenen Reiseerzählungen, dass der Straßburger Alexander, der Herzog Ernst und die Reise-Fassung des Brandan in ähnlicher Weise ein an das Wunderbare und an Narration geknüpftes Wissen eigenen Rechts vermitteln. Dieses ‚mirabile Wissen‘ speist sich aus Mirabilien-Topoi gelehrter Wissenstraditionen und mediterranen Literaturen, insbesondere aus arabischen Erzähltexten und ihren epistemischen Kontexten. Es gewinnt Kontur als ein Wissen von den ‚wundern‘ (lat. mirabilia, arab. ʿaǧāʾib), als ein Wissen über die Verwunderung selbst und als ein Wissen, das von sich aus zu erstaunen vermag. Das mirabile Wissen steht im historischen Zusammenhang sich intensivierender Verflechtungen verschiedener höfischer Kulturen des euromediterranen Raums im 12. und 13. Jahrhundert und bildet ein wesentliches Element ihrer repräsentativen, diplomatischen und geselligen Praktiken. Ausgehend von transkulturellen Transferanalysen einzelner Episoden entwickelt die Studie neue literarhistorische und interpretative Perspektiven auf die untersuchten Erzähltexte und damit auf die deutschsprachige Literatur um 1200.
Weniger anzeigenWissen en miniature erkundet die epistemischen Potentiale des Miniatur-Narrativs Anekdote als Wissensform in Texten und Bildern von der Antike bis in die Moderne. Philosophischen und kunstgeschichtlichen Perspektiven werden komparatistische philologische Lektüren gegenübergestellt, die Beispiele aus der lateinischen, italienischen, französischen, englischen und deutschen Literatur umfassen. Angeregt von den leitenden Fragestellungen und Begrifflichkeiten des Sonderforschungsbereichs 980 an der Freien Universität Berlin „Episteme in Bewegung“ wird analysiert, welchen Prozessen der Umstrukturierung, des Wandels, der Selektion oder der Ausblendung Wissen im Zuge der Neukontextualisierung von Anekdoten oder im Akt des Anekdotisierens selbst unterworfen ist. Untersucht wird, welche Machtkonstellationen und Aushandlungsprozesse sich am Transfer von Anekdoten ablesen lassen und wie diese, auch in der materialen und medialen Gestaltung von Anekdoten, dokumentiert werden.
Weniger anzeigenDer interdisziplinäre Band, hervorgegangen aus dem SFB 980 Episteme in Bewegung, versammelt Studien aus der Arabistik, der Philosophiegeschichte, der Wissenschaftsgeschichte und der Literaturgeschichte mit einem historischen Schwerpunkt im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. Im Mittelpunkt steht die Frage, welches konkrete Wissen historisch mit dem Begriff der Magie verbunden ist, in welchen literar-, philosophie-, religions- und sozialhistorischen Kontexten der Begriff der Magie gebraucht wird und welche Praktiken mit ihm verknüpft werden. Die Beiträge fragen nach den Kontinuitäten zwischen dem Wissen der Magie und dem Wissen der späteren Experimentalwissenschaften und der Technik wie auch nach dem Verhältnis zur Alchemie und zur Theologie. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Frage, welche Transfers und Neukonzeptualisierungen magisches Wissen in literarisch-poetischen Kontexten erfährt, denn offensichtlich ist es gerade die Literatur, die aus der Darstellung magischer Praktiken eine besondere suggestive Kraft bezieht.
Weniger anzeigenFür das Medium ‚Buch‘ haben sich über die Jahrhunderte vielfältige Praktiken entwickelt, um Wissen in ihm zu fixieren, es zu verwalten, verfügbar zu machen und abzurufen, aber auch um es zu chiffrieren und den Zugang zu diesem Wissen zu beschränken. Das Anordnen und Gestalten von Wissensbeständen im Buch kann ebenso als Kulturtechnik verstanden werden wie der spätere Gebrauch des gebundenen Materials. Die Kulturtechniken, Wissen in Bücher und von Buch zu Buch zu transferieren, setzen selbst implizites oder explizites Wissen um diese Techniken voraus. Dabei spielen für die Interpretation der Wissensorganisation in Büchern sowohl die Materialität des Buches und die verwendeten Kommunikationsmodi eine Rolle als auch soziale Strukturen und kulturelle Praktiken, in denen das Objekt erzeugt und verwendet wird. Diesen Dimensionen des Buches wird in zwölf Studien zur Kommentierung, zur Alchemie und zum Buchdruck nachgespürt.
Weniger anzeigenDie ersten Lehrwerke für moderne Fremdsprachen, die zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert in Europa gedruckt wurden, sind in vielfacher Hinsicht ein lohnender Untersuchungsgegenstand: Nicht nur das sprachliche, metasprachliche und didaktische Wissen, sondern auch Teile des Weltwissens jener Zeit können anhand dieser Werke rekonstruiert werden. Der Umgang mit Mehrsprachigkeit und die damaligen Vorstellungen von Didaktik geraten in den Blick und damit die Frage nach den Formen und Prinzipien der Vermittlung sprachlichen Wissens. Die Texte bilden zudem eine interessante Quellengattung für die Untersuchung der Prinzipien von historischer sprachlicher Variation und von Sprachwandel generell. In diesem Kontext stellt sich auch die Frage nach dem Verhältnis von sprachlicher Realität und vermitteltem sprachlichem Wissen. Der von Julia Hübner und Horst J. Simon herausgegebene Band versammelt aus unterschiedlichen Perspektiven verfasste Beiträge, die neben dem Potential der Lehrwerke für die Analyse grammatischer, pragmatischer, soziolinguistischer und wissensgeschichtlicher Fragestellungen auch die Herausforderungen bei der Arbeit mit dem Material aufzeigen.
Weniger anzeigenThis volume examines the potential of the confessionalization concept for the purposes of a history of knowledge regarding the clerical milieus of the early modern Greek Orthodox Church. Its point of departure is an understanding of confessionalization processes as an epistemic challenge that opened up a field of inter-confessional communication. On the one hand, communication born out of this epistemic challenge – and Orthodoxy’s need to articulate novel, authoritative positions in order to respond – resulted in epistemic movements that shaped confessional boundaries, intellectual profiles and academic curricula. In this sense, confessionalization functioned as knowledge transfer. On the other hand, confessionalization may be perceived as the very context of an unfolding communication process that triggered knowledge mobility in a wide range of epistemic fields, beyond the strictly theological: confessionalization and knowledge transfer. The volume comprises studies on conflict, negotiation and modification of knowledge, on interpersonal networks and networks of books, on genres and discourses in motion, on materialities and medialities of knowledge transfer, on accommodation strategies and institution-building processes in the Greek Orthodox Church, and, last but not least, on fluent confessional identities and trans-confessional discourses in clerical milieus.
Weniger anzeigenDas Mittelalter und die Frühe Neuzeit gelten – teilweise aus unterschiedlichen Gründen – als ‚Zeitalter des Geheimnisses‘ und werden damit von der Moderne als einer ‚entzauberten‘ Epoche abgegrenzt. Wissenschaftliche, theologische und literarische Texte bilden die wesentliche Basis für diese Auffassung. Die Gralszene aus Wolframs von Eschenbach Parzival zum Beispiel stellt für das ‚geheimnisvolle Mittelalter‘ ein Paradebeispiel dar, ebenso die Gattungen der Mystik, das ‚Mysterienspiel‘ oder die Alchemie. In den Mikroanalysen, welche die Beiträge des von Jutta Eming und Volkhard Wels herausgegebenen Bands bieten, geht es nicht darum, diese Paradigmen weiter zu entfalten, sondern um detaillierte Analysen dessen, was auf synchroner und systematischer Ebene konkret unter ‚Geheimnis‘ und ‚Rätsel‘ zu verstehen ist. Leitend dafür ist eine wissensgeschichtliche Fragestellung nach den Formen und den Gründen für Darstellungsmodi von Rätsel oder Geheimnis sowie nach den Funktionen, welche diese für Literatur und Kultur der Vormoderne übernehmen. Es geht nicht darum, die große Erzählung vom Geheimnis als einer Epochensignatur fortzuschreiben, sondern um eine Bestimmung von Geheimnis und Rätsel als Wissensformen und als ästhetische Strategien, mit anderen Worten, als Formen der Darstellung.
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