Vocabularies of space define the world. Yet, despite their apparent conceptual authority (Harley 1989), the lineages of cartographic entities are often blurred, accidental, and produced from etymologies only imperfectly understood by their users. Drawing on a recent study on past and present meanings of the term ‘Mesopotamia’ (Rattenborg2018), this paper reviews the inadvertent, if now firmly embedded separation of past and present spaces of the state of Iraq in Western – and global – discourse. Though widely conceived of as a textbook example of colonialist discursive dispossession of a nation’s heritage (Bahrani 1998), the argument advanced here is that ‘Mesopotamia’ – in the sense that we understand it today – is an unintended by-product of British military nomenclature defined during the First World War. Its widespread application as a cultural-historical shorthand, utilized with great enthusiasm by generations of archaeologists, epigraphers, and historians, came about comparatively late, fusing the trappings of an age-old signifier with the versatility of a physical space shaped by very modern events. As such, ‘Mesopotamia’is itself a freak accident of history, the vestige of a haphazard etymology far removed from the simple biographies attributed to it by contemporary commentators. This rather ironic state of affairs is reviewed through a discussion of its continued reaffirmation and widespread use in spatial discourses of archaeological and historical scholarship, arts trade and antiquities trafficking, and in popular media worldwide.
Vokabulare des Raums definieren die Welt. Trotz ihrer offensichtlichen konzeptionellen Autorität (Harley 1989)sind die Abstammungslinien kartografischer Einheiten oft verschwommen, zufällig und beruhen auf Etymologien,die von ihren Benutzer*innen nur unzureichend verstanden werden. Aufbauend auf einer aktuellen Studie zu den vergangenen und gegenwärtigen Bedeutungen des Begriffs ‚Mesopotamien‘ (Rattenborg 2018) untersucht dieser Artikel die unbeabsichtigte, wenn auch mittlerweile fest verankerte Trennung vergangener und gegenwärtiger Räume des Staates Irak im westlichen – und globalen – Diskurs. Obwohl ‚Mesopotamien‘ weithin als Paradebeispiel für die kolonialistische diskursive Enteignung des nationalen Erbes gilt (Bahrani 1998), wird hier argumentiert,dass ‚Mesopotamien‘ – in unserem heutigen Verständnis – ein unbeabsichtigtes Nebenprodukt der im Ersten Weltkrieg definierten britischen Militärnomenklatur ist. Seine weitverbreitete Verwendung als kulturhistorische Abkürzung, die von Generationen von Archäolog*innen, Epigraphiker*innen und Historiker*innen mit großer Begeisterung genutzt wurde, erfolgte vergleichsweise spät und verband die Merkmale eines uralten Signifikanten mit der Vielseitigkeit eines von modernen Ereignissen geprägten physischen Raums. So ist ‚Mesopotamien‘selbst ein Zufall der Geschichte, das Überbleibsel einer zufälligen Etymologie, weit entfernt von den einfachen Biografien, die ihm zeitgenössische Kommentator*innen zuschreiben. Dieser eher ironische Umstand wird anhand einer Diskussion seiner anhaltenden Bestätigung und weitverbreiteten Verwendung in räumlichen Diskursen der archäologischen und historischen Forschung, des Kunst- und Antiquitätenhandels sowie in den populären Medien weltweit untersucht.