dc.contributor.author
Ahlig, Nadine
dc.date.accessioned
2026-01-21T07:53:56Z
dc.date.available
2026-01-21T07:53:56Z
dc.identifier.uri
https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/50483
dc.identifier.uri
http://dx.doi.org/10.17169/refubium-50210
dc.description.abstract
Schwere zielgerichtete Gewalttaten an Schulen ziehen weitreichende und gravierende Konsequenzen nach sich. Diese wirken sich jedoch nicht allein auf die unmittelbar Geschädigten und deren Familien aus, sondern zusätzlich auf die gesamte Gesellschaft. Insbesondere wenn dabei Menschen physisch verletzt oder gar getötet werden, wird die politische Diskussion sehr emotional und intensiv geführt. Im Nachgang stellt sich häufig heraus, dass der Täter bzw. die Täterin im Vorfeld ein auffälliges Verhalten gezeigt hat sowie gegenüber anderen Personen die Absicht geäußert hat, die Tat zu begehen. Die Gesellschaft stellt bei jedem Vorfall die Frage, ob die Tat hätte verhindert werden können.
Es ist belegt, dass Täter*innen Informationen über ihre persönliche Krise und ihre Tatabsichten preisgeben. Es wurde wiederholt festgestellt, dass diese Aussagen häufig nicht ernst genommen werden. Darüber hinaus werden nicht alle Drohungen und Ankündigungen der Polizei oder der Schulleitung gemeldet. Dies erschwert die Umsetzung bestehender Interventionsmaßnahmen. Folglich erhält die betreffende Person meist nicht die Unterstützung, die sie dringend benötigt. Ihre krisenhafte Entwicklung wird nicht abgewendet.
Die vorliegende kumulative Dissertation basiert auf drei Manuskripten. Sie befasst sich mit der Frage, wie krisenhafte Entwicklungen bei Schüler*innen besser identifiziert werden können. Das erste Manuskript betrachtet das subjektive Sicherheitsgefühl des Lehrpersonals. Es wird angenommen, dass das subjektive Sicherheitsgefühl die Reaktion des Lehrpersonals auf Drohungen oder Ankündigungen beeinflusst. Da bislang kein Instrument zur Verfügung steht, welches das Sicherheitsgefühl des Schulpersonals bezüglich schwerer zielgerichteter Schulgewalt mit diagnostischen Gütekriterien messen kann, wird im Folgenden ein entsprechendes Instrument entwickelt. Das zweite Manuskript widmet sich der bislang unzureichenden empirischen Fundierung bisheriger Ansätze zur Einschätzung der Ernsthaftigkeit von Drohungen und Ankündigungen. Es wird die Konzeption eines interdisziplinären Aktenanalyseinstruments dargelegt, welches zur systematischen und einheitlichen Erfassung und Analyse von Ankündigungen und Drohungen entwickelt wurde. Mit diesem Instrument wird im dritten Manuskript eine Längsschnittanalyse des Warnverhaltens in deutschen Fällen von schwerer zielgerichteter Schulgewalt durchgeführt. Ziel der Untersuchung ist es, Erkenntnisse über das wahrgenommene Warnverhalten im Verlauf der krisenhaften Entwicklung bis hin zur Tat zu generieren.
Die Manuskripte basieren auf den Daten der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Programme "NETWorks Against School Shootings" (NETWASS) sowie "Tat- und Fallanalysen hochexpressiver zielgerichteter Gewalt" (TARGET) . Die vorliegende Arbeit verwendet Ansätze der Survey- und Einzelfallforschung. Eine Besonderheit des methodischen Vorgehens besteht darin, dass die retrospektiven Analysen der Einzelfälle auf staatsanwaltschaftlichen Akten beruhen. Die durchgeführten Analysen basieren sowohl auf qualitativen als auch auf quantitativen Forschungsdesigns.
Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl die Furcht als auch die subjektive Einschätzung des Risikos, persönlich durch eine Tat geschädigt zu werden, beim untersuchten Lehrpersonal gering ist. Zudem gehen Lehrer*innen davon aus, dass sie Drohungen und Ankündigungen aktiv ahnden. Dies impliziert, dass Lehrkräfte möglicherweise dazu neigen, eine potentielle Bedrohung voreilig als unbedeutend einzustufen (erstes Manuskript). Es wurde erfolgreich ein Aktenanalyseinstrument entwickelt, das zur systematischen und einheitlichen Erfassung und Analyse von Ankündigungen und Drohungen geeignet ist (zweites Manuskript). Die Längsschnittanalyse zeigt, dass die Täter*innen im Laufe ihrer krisenhaften Entwicklung eine Vielzahl von Warnverhalten preisgeben. Dieses Warnverhalten wird durchaus von anderen Personen wahrgenommen, jedoch häufig nicht als solches erkannt. Da diese Informationen an keiner Stelle miteinander in Verbindung gebracht werden, bleibt das Wissen der einzelnen Akteure über die psychosoziale Krise fragmentiert. In der Konsequenz wird eine krisenhafte Entwicklung bei Schüler*innen nicht erkannt (drittes Manuskript). Ziel muss es sein, Strukturen auszubauen, die die vorhandenen Informationen systematisch zusammenführen und in ihrer Gesamtheit betrachten. Zudem ist es nötig, alle beteiligten Personengruppen darin zu schulen, Warnverhaltensweisen besser identifizieren zu können. Dies wird als große Chance gesehen, krisenhafte Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und potentielle Taten zu verhindern.
de
dc.description.abstract
Severe targeted acts of violence at schools have profound and serious consequences that extend beyond the immediate context. However, these do not only affect the victims and their families, they also have a significant impact on society as a whole. When individuals are physically injured or even killed, the political discourse often becomes markedly emotional and intense. In the aftermath of an incident, there is often evidence that the later perpetrator had exhibited conspicuous behavior prior to the act of violence and had frequently expressed the intention to commit the act to other individuals. In each instance, the general public demands to know whether the act could have been averted. It has been repeatedly proven that later perpetrators reveal information related to their crisis and their intentions. Furthermore, it also has been ascertained that these statements are frequently not taken seriously. Not all cases of Leakage and Directly communicated threats are reported to the relevant authorities, such as the police or school administration. The student's need for support is not being adequately addressed. Accordingly, intervention measures cannot be applied.
This cumulative dissertation is based on three papers. The objective is to explore how to improve identification of a student’s pathway to intended violence. The first paper investigates the subjective sense of security among teaching staff. It is assumed that teachers’ subjective sense of security affects their responses to Leakage and Directly communicated threats. Since there is no existing instrument to measure the sense of security related to severe targeted school violence, a new tool is developed. The second paper addresses the limited empirical foundation of previous approaches in assessing the seriousness of Leakage and Directly communicated threats. It presents an interdisciplinary instrument developed to systematically record and analyze such incidents. The third paper is a longitudinal analysis of warning behaviors in German cases of severe targeted school violence. The aim of the paper was to gain knowledge about the perceived warning behaviors during the pathway to intended violence.
These papers are based on data from the "Networks Against School Shootings" (NETWASS) and "Tat- und Fallanalysen hochexpressiver zielgerichteter Gewalt" (TARGET) programs, funded by the German Federal Ministry of Education and Research (BMBF). In these papers, methodological approaches from survey and individual case research are used. A special feature of the methodological approach is that the retrospective analyses of the individual cases are based on court records and investigation files. Qualitative and quantitative designs are used.
The results show that both the fear and the perceived risk of being harmed by an act of violence are low among the surveyed school staff. In addition, school staff assume that they actively punish Leakage and Directly communicated threats. This implies that the sense of security plays a crucial role, as a potential harmful threat may be prematurely classified as trivial (1st paper). An instrument was successfully developed, to systematically record Leakage and Directly communicated threats (2nd paper). The longitudinal analysis shows that the perpetrators reveal a variety of warning behaviors during their pathway to intended violence. These warning behaviors are certainly perceived by others, but are often not recognized as such. Since the information is not connected at any point, crucial knowledge of each person remains fragmented. As a result, a student’s pathway to intended violence is not recognized (3rd paper). The objective must be to establish structures that systematically aggregate this information. Furthermore, it is necessary to train all groups of people involved to better identify warning behaviors. This is seen as a great opportunity to identify a student’s pathway to intended violence at an early stage and to avert potential acts of violence at school.
en
dc.format.extent
212 Seiten
dc.rights.uri
https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/
dc.subject
Schwere zielgerichtete Schulgewalt
de
dc.subject
Bedrohungsmanagement
de
dc.subject
Warnverhalten
de
dc.subject
Subjektives Sicherheitsgefühl
de
dc.subject
Severe targeted school violence
en
dc.subject
School shooting
en
dc.subject
Threat assessment
en
dc.subject
Warning behaviors
en
dc.subject.ddc
100 Philosophie und Psychologie::150 Psychologie::155 Differentielle Psychologie, Entwicklungspsychologie
dc.title
Schwere zielgerichtete Schulgewalt.
dc.contributor.gender
female
dc.contributor.inspector
Hein, Sascha
dc.contributor.inspector
Urban-Stahl, Ulrike
dc.contributor.inspector
Lechner, Viola
dc.contributor.firstReferee
Scheithauer, Herbert
dc.contributor.furtherReferee
Leuschner, Vincenz
dc.date.accepted
2024-12-11
dc.identifier.urn
urn:nbn:de:kobv:188-refubium-50483-3
dc.title.subtitle
Identifikation und längsschnittliche Beobachtung krisenhafter Entwicklungen bei Schülerinnen und Schülern
dc.title.translated
Severe targeted school violence. Identification and retrospective longitudinal analysis of students’ pathways to intended violence
refubium.affiliation
Erziehungswissenschaft und Psychologie
refubium.note.author
Kumulative Dissertation: Die Daten stammen aus den BMBF-geförderten Projekten NETWASS und TARGET. Die Fachartikel (peer-reviewed) sind unter DOI abrufbar.
https://doi.org/10.1007/s11757-016-0367-2
https://doi.org/10.1007/978-3-030-25436-0_6
https://doi.org/10.1080/15388220.2025.2558645
de
dcterms.accessRights.dnb
free
dcterms.accessRights.openaire
open access
dcterms.accessRights.proquest
accept