Der Gesprächsartikel analysiert die aktuellen Kontroversen um die deutsche Berichterstattung über den Krieg in Gaza vor dem Hintergrund politischer Polarisierung, sinkenden Medi-envertrauens und verschobener öffentlicher Sagbarkeitsgrenzen. Im Zentrum stehen Auseinandersetzungen um journalistische Standards, die Auswahl und Bewertung von Quellen, die Sichtbarkeit unterschiedlicher Leidensperspektiven sowie die Frage, wem im deutschen Kontext öffentliche Legitimität zugesprochen wird. Dabei zeigt sich, dass mediale Debatten nicht nur die Einordnung von Gewalt in Israel und Palästina betreffen, sondern auch eng mit Aushandlungen über Protest, Solidarität und Zugehörigkeit in Deutschland verknüpft sind. Der Beitrag knüpft an eine Podiumsdiskussion im Rahmen der Reihe INTERACT Conversations an der Freien Universität Berlin an und versammelt Perspektiven aus Aktivismus, Kommunikationswissenschaft und Politikwissenschaft. Diskutiert werden die Bedingungen journalistischer Arbeit in hochpolarisierten Konflikten, die Rolle von Sprache und Deutungsrahmen sowie die Auswirkungen medialer Praktiken auf gesellschaftliche Polarisierung. Zugleich fragt der Artikel nach Möglichkeiten differenzierter Berichterstattung und nach der Verantwortung von Journalismus, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft.
Weniger anzeigenThis study examines how scholars in Germany working on the Middle East have experienced the discussion of Israel and Palestine in research, teaching, and public debate since October 7, 2023. Drawing on a systematic online survey, it investigates across disciplines the perception of restrictions, practices of self-censorship, and perceived forms of institutional pressure. The findings indicate a marked intensification of political sensitivities shaping academic work and shifting boundaries of academic freedom. What becomes visible is a tension between respondents’ normative ideal of open debate and their actual experience of narrowing discourse, contestation, and sanctioning. Self-censorship and experiences of threat are widespread. In this context, respondents emphasize the protection of plural expression as a central task of academic institutions. The results correspond to U.S. surveys conducted by the Middle East Scholar Barometer and, for the first time, provide systematic evidence for the German context.
Weniger anzeigenDie Studie widmet sich der Frage, wie Wissenschaftler*innen in Deutschland mit Arbeitsbe-zug zum Nahen Osten die Thematisierung von Israel und Palästina in Forschung, Lehre und öffentlicher Debatte seit dem 7. Oktober 2023 erfahren. Auf Grundlage einer systematischen Online-Erhebung untersucht sie disziplinübergeifend die Wahrnehmung von Einschränkun-gen, Praktiken der Selbstzensur sowie perzipierte Formen institutionellen Drucks. Die Be-funde deuten auf eine deutliche Intensivierung der politischen Sensibilitäten hin, die die wis-senschaftliche Arbeit in einschlägigen Disziplinen prägen und die Grenzen akademischer Freiheit neu verhandeln. Sichtbar wird dabei ein Spannungsfeld zwischen dem normativen Anspruch offener Debatten und der faktischen Erfahrung von Diskursverengung, Anfechtun-gen und Sanktionierung. Zugleich wird der Schutz pluraler Meinungsäußerung von den Be-fragten als zentrale Aufgabe akademischer Institutionen hervorgehoben. Die Ergebnisse kor-respondieren mit US-Erhebungen des Middle East Scholar Barometer und liefern erstmals systematische Evidenz für den deutschen Kontext.
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