In der Arbeit wird die Vergangenheit selbst als Forschungsgegenstand angesehen, diese aus einer kulturwissenschaftlichen Perspektive betrachtet und als ein Symbolsystem verstanden. Deren einzelne Elemente bekommen ihre Bedeutung – einmal durch ihre Beziehung zu anderen Elementen, ein anderes Mal sind sie für jemanden von Bedeutung. Es wird von einer relationalen Sichtweise ausgegangen, die sich von einer substantialistischen unterscheidet. Die Vergangenheit selbst ist transzendent und somit nicht empirisch untersuchbar, sie wird aber über Relikte (materielle Kultur) wahrgenommen und diese lassen sich als Mittler (Medium) zwischen Uns und der Vergangenheit ansehen. Diese Erkenntnisse werden im weiteren Teil der Arbeit im Bezug zu unserer Sichtweise über die Vergangenheit erörtert. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts endete nach über 450 Jahren die Phase des europäischen Kolonialismus und immer mehr Länder wurden unabhängig. Auch indigene Völker bekamen mehr Rechte zugesprochen. Im Zuge dessen kam es zu einem verstärkten Interesse an der Vergangenheit, die nun als multivokal und partikularistisch wahrgenommen wurde. In Folge dessen wurden die evolutionistischen Darstellungen reflektiert, bei denen die außereuropäischen Kulturen unsere Vorzeit repräsentieren sollen. Sie zeigen nicht den Fortschritt Europas, sondern sind ein Produkt der Globalisierung und lassen sich als Ergebnis einer Verflechtungsgeschichte verstehen. Die partikularen Darstellungen lassen sich als mythologische und substantialistische Urprungserzählungen ansehen, da jede soziale Gruppe ihre eigene primordiale Erzählung hat und sich dadurch von den Nachbarn unterscheidet. Als kulturwissenschaftliches Erklärungsmodell bietet sich die Theorie vom kulturellen Gedächtnis an. Dieses wird unterteilt in Speichergedächtnis (kein Bezug zur Gegenwart) und Funktionsgedächtnis (bildet Identität der Gruppe), letzteres (Unsere Vorzeit) beinhaltet einen kleinen Teil des ersten und seine Elemente sind austauschbar. Somit sind die primordialen Erzählungen als jeweiliges Funktionsgedächtnis einer Gruppe anzusehen, das sich auf Erinnerungsorte bezieht und als Erinnerungskultur sichtbar wird.
This thesis regards the past itself as the object of research, viewed from a cultural studies perspective and understood as a system of symbols. The individual elements [of the past] acquire meaning through their relationship with one another, or because they have meaning for somebody. A relational perspective is assumed, which differs from a substantialist viewpoint. The past is transcendent and therefore cannot be understood through empirical investigation, it can only be explored through relics (material culture) which can be seen as mediators (medium) between us and the past. These findings and their relation to our perception of the past are discussed further in this thesis. Lasting for over 450 years, the era of European colonialism ended in the second half of the 20th century, and more and more countries became independent. Indigenous people were granted more rights. In the wake of this, there was an increased interest in the past, which is now perceived as multivocal and particularistic. As a consequence, the evolutionist theories that view the non-European cultures as a representation of our prehistoric times, were questioned. Instead of highlighting Europe’s progress, they are a product of globalization and can be understood as the result of entangled history. The particular representations can be considered mythological and substantialist founding narratives, since each social group has its own primordial narrative which differs to its neighbors. The most suitable cultural studies explanatory model is the theory of cultural memory. This is divided into storage memory (no reference to the present) and functional memory (forms the identity of the group). The latter (our prehistory) contains a small part of the first and its elements are interchangeable. Thus, the primordial narratives are to be viewed as the respective functional memory of a group, which relates to memorable locations and manifests itself as a culture of Remembrance.