Während Trächtigkeit und Laktation kommt es beim Hund zu tiefgreifenden metabolischen Anpassungen, um den erhöhten Energiebedarf von Muttertier und Nachkommen zu decken. In diesen physiologisch fordernden Phasen können negative Energiebilanzen auftreten, die mitunter ohne klinische Symptome verlaufen, jedoch die Reproduktionsleistung der Hündin beeinträchtigen. Nichtveresterte freie Fettsäuren (NEFA) sind bekannte Marker der Lipolyse und gelten in der Nutztiermedizin als etablierter Parameter zur Beurteilung des energetischen Status. Für den Hund lagen bislang jedoch keine belastbaren Referenzwerte vor, insbesondere nicht für trächtige und laktierende Hündinnen. Ziel dieser Arbeit war es daher, NEFA-Referenzintervalle für gesunde Hunde zu ermitteln und die Veränderungen der NEFA-Konzentrationen in Abhängigkeit vom Reproduktionsstatus zu untersuchen.
In einem ersten Studienabschnitt wurden die NEFA-Werte im Blutserum von 85 gesunden Hunden erhoben und mithilfe nichtparametrischer Methoden ausgewertet. Die ermittelten Referenzintervalle lagen zwischen 0,20 und 1,47 mmol/L. Es konnte gezeigt werden, dass Alter, Geschlecht, Kastrationsstatus, Körpergewicht und Body Condition Score keinen signifikanten Einfluss auf die NEFA-Konzentration hatten. Diese Ergebnisse stellen erstmals belastbare Referenzbereiche für die NEFA-Konzentration beim Hund bereit und bilden eine Grundlage für künftige diagnostische Anwendungen.
Im zweiten Teil der Arbeit wurde untersucht, ob und in welchem Ausmaß sich die NEFA-Konzentration bei gesunden Hündinnen während Trächtigkeit und Laktation verändert. Hierzu wurden 15 Tiere zu drei definierten Zeitpunkten (Tag 10 ±2 ante partum, Tag 21 ±2 post partum, Tag 56 ±2 post partum) beprobt. Die Ergebnisse zeigten einen Anstieg der NEFA-Konzentration im mittleren Laktationsverlauf (Tag 21 ±2 pp), gefolgt von einem Abfall zum Ende der Laktation. Dieser Verlauf war jedoch nicht statistisch signifikant. Ein Einfluss der Wurfgröße oder des Body Condition Score konnte nicht nachgewiesen werden.
Die Ergebnisse dieser Arbeit legen nahe, dass NEFA auch beim Hund als Marker einer veränderten Energiebilanz während Trächtigkeit und Laktation herangezogen werden könnten. Die ermittelten Referenzintervalle ermöglichen erstmals eine evidenzbasierte Interpretation gemessener NEFA-Konzentrationen beim Hund. Künftig könnten NEFA-Messungen somit zur frühzeitigen Erkennung metabolischer Dysbalancen und zur Optimierung des Fütterungs- und Gesundheitsmanagements von Zuchthündinnen beitragen.
During gestation and lactation, dogs undergo profound metabolic adaptations to meet the increased energy demands of both the dam and the offspring. In these physiologically challenging phases, negative energy balance (NEB) may occur, often without overt clinical symptoms, yet potentially impairing the reproductive performance of the bitch. Non-esterified fatty acids (NEFAs) are established markers of lipolysis and are widely used in livestock as a reliable indicator of energy status. However, validated reference values for NEFA concentrations in dogs—especially in pregnant and lactating bitches—have been lacking. The aim of this study was therefore to determine NEFA reference intervals for healthy dogs and to analyse changes in NEFA concentrations depending on reproductive status.
In the first part of the study, NEFA levels in the blood serum of 85 healthy dogs were measured and analysed using distribution-independent statistical methods. The resulting reference interval ranged from 0.20 to 1.47 mmol/L. Age, sex, neuter status, body weight, and body condition score showed no significant influence on NEFA concentrations. These results provide the first robust reference values for canine NEFA concentrations and lay the foundation for future diagnostic applications.
The second part of the study investigated whether and to what extent NEFA concentrations change in healthy bitches during gestation and lactation. For this purpose, 15 dogs were sampled at three defined time points (day 10 ±2 ante partum, day 21 ±2 post partum, and day 56 ±2 post partum). The results showed an increase in NEFA concentrations during midlactation (day 21 ±2 pp), followed by a decrease towards the end of lactation. However, this trend was not statistically significant. No significant influence of litter size or body condition score could be observed.
The findings of this study suggest that NEFA concentrations may serve as markers of altered energy balance in dogs during gestation and lactation. The established reference intervals nowallow for evidence-based interpretation of measured NEFA concentrations in clinical practice. In the future, NEFA testing could contribute to the early detection of metabolic imbalances and to the optimisation of nutritional and health management in breeding bitches.