Kinetose stellt ein ernst zu nehmendes Problem in der heutigen Zeit dar insbesondere im Hinblick auf autonomes Fahren. Daher müssen die Ursachen von Kinetose zur Vermeidung und für mögliche Therapieansätze ergründet werden. In dieser Arbeit werden zwei Möglichkeiten zur Entstehung von Kinetose experimentell untersucht: die Theorie der Otolithenorganasymmetrie, die aufgrund ungleich verteilter Massen zu Kinetose führen soll, und als neuartiger Ansatz die Hypothese eines Zusammenhangs zwischen intestinalem Mikrobiom und Kinetose im Zusammenhang mit der Darm-Hirn-Achse. Die Messungen für die Berechnung der Otolithenorganasymmetrie beinhalteten VEMP-Messungen, unilaterale Rotation, SVV, OOR-Bestimmung und SVMT. Für den SVMT wurde zusätzlich eine Abfrage des Kinetosezustands auf einer Skala von 1 bis 10 erfragt (MISC). Zur Berechnung der Alpha- und Beta-Diversität sowie zur Prüfung eines Zusammenhangs zwischen Darmflora und Abbruchzeit beim SVMT wurden Stuhlproben der Probanden an die Firma BIOMES geschickt und mittels NGS analysiert. Die Gesamtkohorte umfasste 125 Probanden (51 Frauen und 36 Männer), von denen 87 Datensätze in die Auswertung eingeflossen sind. Anhand der Abbruchzeit des SVMT wurden die Gruppen in sensibel (< 8 Minuten), medium (8 – 16 Minuten) und unsensibel (> 16 Minuten) eingeteilt. Bei höherer Asymmetrie im Sacculus bzw. Utriculus zeigten sich verkürzte Abbruchzeiten, insbesondere bei Frauen. In der Mikrobiomanalyse zeigten sich größtenteils negative Korrelationen zwischen der Anzahl an Mikroben (gemessen in OTU) und der Abbruchzeit. Das heißt, ein geringes Vorkommen führt zu späteren Abbrüchen. Die Untersuchungen zur Otolithenorganasymmetrie lassen weiterhin Fragen offen. Ob die Asymmetrie aufgrund von Massenveränderungen an den Calcit-Kristallen zustande kommt oder der Einfluss von kurzkettigen Fettsäuren und Transmittern die Ursache für die asymmetrische Signalweiterleitung ist, muss in weiterführenden Studien geklärt werden. Mit den Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen Mikrobiom und Kinetose ist ein neues Forschungsfeld eröffnet. Die Ergebnisse lassen einen Zusammenhang vermuten, der in weiteren Forschungsarbeiten diskutiert werden sollte.