In der vorliegenden Habilitationsschrift wurde mittels bildgebender Verfahren die Ausprägung kardiovaskulärer und zerebrovaskulärer Schäden im Zusammenhang mit eingeschränkter Nierenfunktion untersucht. Zusätzlich wurden modifizierbare Risikofaktoren für Organschäden identifiziert, die durch entsprechende Kontrolle die Prognose verbessern können. In der kardialen MRT wurden bei fast der Hälfte der untersuchten nierenkranken Patienten strukturelle Schäden des linken Ventrikels, wie Hypertrophie, Dilatation und konzentrisches Remodeling, nachgewiesen. Modifizierbare Risikofaktoren für diese Schäden waren ein erhöhter BMI, arterielle Hypertonie in der 24 Stunden Blutdruckmessung sowie eine erhöhte Hämoglobin Konzentration im Serum. Anhand der 24 Stunden Blutdruckmessungen konnte gezeigt werden, dass etwa ein Drittel der Patienten mit Einzelmessungen des Blutdrucks fehlklassifiziert wurde, wobei hier insbesondere maskierter Bluthochdruck (in der Arztpraxis wird fälschlich ein normaler Blutdruck gemessen) und Weißkittelhypertonie (in der Arztpraxis wird fälschlich ein erhöhter Blutdruck gemessen) von Bedeutung sind. Beide Formen von Fehlklassifikation waren mit einer linksventrikulären Hypertrophie assoziiert. Patienten mit maskiertem Bluthochdruck hatten zusätzlich eine erhöhte Pulswellengeschwindigkeit und einen erhöhten zentralen Augmentationsindex. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der 24 Stunden Blutdruckmessung zur Vermeidung der Fehlklassifikation von arterieller Hypertonie. Doch nicht nur das Herz-Kreislaufsystem ist bei nierenkranken Patienten gefährdet. In einer weiteren Arbeit konnte gezeigt werden, dass eine eingeschränkte Nierenfunktion auch mit einem erhöhten Demenzrisiko assoziiert ist, sowohl im mittleren als auch im fortgeschrittenen Lebensalter. Dies galt sowohl für akute als auch für chronische Einschränkungen der Nierenfunktion. Diese Assoziation war stärker ausgeprägt, wenn zur Abschätzung der Nierenfunktion der von der Muskelmasse unabhängige Laborparameter Cystatin C verwendet wurde, was bei älteren Patienten mit geringerer Muskelmasse sinnvoll erscheint. Zusätzlich konnte gezeigt werden, dass eine eingeschränkte Nierenfunktion mit zahlreichen in der MRT sichtbaren Gehirnschäden einhergeht, wie lakunären Infarkten, Mikroblutungen sowie einer gestörten mikrostrukturellen Integrität der weißen Hirnsubstanz. In der Volumenmessung verschiedener Gehirnareale zeigte sich abhängig von der Nierenfunktion eine globale Hirnatrophie, jedoch keine selektive Atrophie der Areale, die typischerweise bei Alzheimer-Demenz auftreten, sodass diese Erkrankung als pathogenetische Ursache unwahrscheinlich erscheint. Insgesamt gehen sowohl akute als auch chronische Nierenkrankheiten häufig mit vaskulären Schäden des Herzens und des Gehirns einher. Durch Maßnahmen zur Vermeidung von akuten Nierenschädigungen und Verlangsamung des Progresses einer chronischen Nierenkrankheit sowie Kontrolle weiterer modifizierbarer Risikofaktoren könnte die Gesamtprognose verbessert werden.