Einleitung. Eine dauerhaft ungünstige Beanspruchung in Form hoher Anforderungen am Arbeitsplatz und fehlender beruflicher und privater Ressourcen, kann stressbedingte psychische Folgeerkrankungen wie das Burnout-Syndrom oder Depression nach sich ziehen. Obwohl die positive Wirkung einer regelmäßigen körperlichen Aktivität für die psychische Gesundheit mehrfach nachgewiesen wurde, gibt es bislang wenig Forschung zum Wirkmechanismus der körperlichen Aktivität im Hinblick auf die Entstehung von Burnout-Symptomen aufgrund ungünstiger Arbeitsbedingungen. Zudem bleiben zentrale berufliche und private Ressourcen für die psychische Gesundheit in der Forschung bisher weitestgehend unberücksichtigt. Ziel dieser Arbeit ist es daher, zu einem besseren Verständnis über die Rolle moderater und intensiver körperlicher Aktivität in der Entstehung von Burnout beizutragen. Dazu wurden auf Basis des Job Demands-Resources Modells acht Hypothesen zu unterschiedlichen Wirkmechanismen von körperlicher Aktivität im Kontext von Arbeitsstress getestet. Außerdem wurde der Zusammenhang von Belastungsfaktoren wie mangelnde Wertschätzung, kritische Lebensereignisse und das Pflegen Angehöriger mit depressiven Symptomen unter Berücksichtigung von Geschlechterunterschieden überprüft. Methoden. 342 Beschäftigte schätzten im Abstand von 4 Wochen in einer Online-Fragebogenstudie ihre Arbeitsbedingungen, Burnout-Symptome sowie ihre körperliche Aktivität ein. Die Hypothesen wurden in mehreren Regressionsmodellen geprüft. Zudem wurden mit Hilfe von Fragebogen- und Interviewdaten von 2.640 Beschäftigten aus der S-MGA II Studie u.a. mit logistischen Regressionsanalysen Zusammenhänge und Geschlechterunterunterschiede in Arbeitsbedingungen, privaten Anforderungen und depressiver Symptomatik untersucht. Ergebnisse. Eine regelmäßige intensive körperliche Aktivität verringert den Einfluss von Arbeitsanforderungen auf die Entstehung von Burnout-Symptomen. Eine regelmäßige moderate körperliche Aktivität hängt hingegen direkt mit geringeren Burnout-Symptomen zusammen, unabhängig von der Beanspruchung am Arbeitsplatz. Die Bewältigungsplanung hat einen positiven Effekt auf die Umsetzung von intensiver körperlicher Aktivität, insbesondere bei moderater Arbeitsbelastung. Eine hohe Wertschätzung durch die Führungskraft geht mit geringeren depressiven Symptomen einher. Der Zusammenhang von Arbeitsbedingungen und depressiven Symptomen ist zudem stärker bei Beschäftigten, die privat Angehörige pflegen. Diskussion. Die Ergebnisse deuten auf eine unterschiedliche Wirkung moderater und intensiver körperlicher Aktivität auf die Entstehung von Burnout hin. Eine regelmäßige intensive körperliche Aktivität kann im Gegensatz zu moderater Aktivität dazu beitragen, dass Beschäftigte trotz hoher Arbeitsanforderungen seltener Burnout-Symptome entwickeln. Bewältigungsplanung wirkt unterstützend, damit eine regelmäßige körperliche Aktivität auch bei moderatem Arbeitsstress gelingen kann. Zudem zeigen die Ergebnisse dieser Arbeit, dass eine ganzheitliche Betrachtung aller potenziellen Stressoren innerhalb und außerhalb des Arbeitsplatzes notwendig ist, um adäquate Interventionen zur Minimierung des Risikos stressbedingter Folgeerkrankungen abzuleiten. Insbesondere die Wertschätzung am Arbeitsplatz und die Berücksichtigung der Zusatzbelastung durch private Pflege sollten zukünftig in der Forschung wie auch in praktischen Interventionen stärker berücksichtigt werden.
Introduction. High demands and limited resources at work and in private life can result in stress-related mental health problems such as burnout or depression. Although the positive effect of physical activity on mental health has been demonstrated, there has been little research on the mechanism of physical activity in relation to the development of burnout symptoms due to unfavourable working conditions. In addition, central occupational and private resources for mental health have so far been neglected in research. The aim of this paper is to contribute to a better understanding of the role of moderate and vigorous physical activity in the development of burnout. Therefore, different mechanisms of physical activity in the context of job stress were tested in 8 hypotheses based on the job demands-resources model. In addition, the connection between stress factors such as lack of appreciation, critical life events and care obligations with depressive symptoms was examined, taking gender differences into account. Methods. 342 employees assessed their working conditions, burnout symptoms and physical activity in an online questionnaire at intervals of 4 weeks. The hypotheses were tested in several regression models. Furthermore, with the help of questionnaire and interview data of 2,640 employees from the S-MGA II study, associations and gender differences in working conditions, private demands and depressive symptoms were examined using logistic regression analyses. Results. Vigorous physical activity reduces the impact of job demands on the development of burnout symptoms. In contrast, regular moderate physical activity is directly related to lower burnout symptoms, independent of job stress. Coping planning has a positive effect on the implementation of vigorous physical activity, especially under moderate job stress. A high level of appreciation from the manager is associated with lower depressive symptoms. The correlation between working conditions and depressive symptoms is stronger among employees with private care obligations. Discussion. Results suggest a differential effect of moderate and vigorous physical activity on the development of burnout. Vigorous physical activity may help employees less often develop burnout symptoms despite high job demands. Coping planning supports the enactment of regular physical activity under moderate job stress. In addition, the results show that a holistic view of potential stressors inside and outside the workplace is necessary to derive adequate interventions to minimize the risk of stress-related illnesses. In particular, appreciation in the workplace and consideration of care obligations should be given greater consideration in future research and practical interventions.