Hintergrund/Ziel: Ziel dieser Studie war es, eine umfassende Abbildung der Verläufe von Schwangerschaften und Geburten HIV-positiver Frauen in einem Perinatalzentrum Level 1 zu erhalten, einschließlich der vertikalen Transmissionsrate sowie einer detaillierten Untersuchung der Geburtsmodi und deren Indikationen anhand der Anwendung der Robson-Klassifikation. Außerdem wurden Gewicht und Frühgeborenenrate der Neugeborenen und die Häufigkeit von Fehlbildungen untersucht, die durch pränatales Ultraschallscreening während der Pränataldiagnostik festgestellt wurden.
Patienten und Methoden: In dieser retrospektiven Single-Center-Studie wurden deskriptiv Daten zu Schwangerschaft und Geburt HIV-positiver Frauen und deren Kindern ausgewertet, die zwischen Januar 2014 und Dezember 2020 geboren und im Campus Virchow Klinikum der Charité in Berlin medizinisch betreut wurden.
Ergebnisse: In die Studie wurden 420 HIV-positive Frauen und ihre 428 Neugeborenen eingeschlossen. 415 (98,8 %) Frauen erhielten zum Zeitpunkt der Geburt eine antiretrovirale Therapie (ART). Die ART bestand bei 196 (47,2 %) Patientinnen aus zwei nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren und einem Protease-Inhibitor, was dem Großteil der Behandelten entspricht. 88,8 % der Frauen hatten zum Zeitpunkt der Entbindung eine unterdrückte Viruslast von < 50 cop/ml. 46 (11 %) Neugeborene kamen als Frühgeborene zur Welt, und 373 (89,2 %) hatten ein normales Geburtsgewicht zwischen 2500 g und 4500 g. Insgesamt wurden 219 (52,1 %) Kaiserschnitte durchgeführt, wobei die häufigste Indikation (70,2 %) für einen elektiven Kaiserschnitt ein vorheriger Kaiserschnitt war. Eine hohe Viruslast war nur in wenigen Fällen eine Indikation für einen Kaiserschnitt. Bei acht Kindern wurden schwere strukturelle Fehlbildungen bei Ultraschalluntersuchungen im ersten und zweiten Trimester festgestellt, was 1,9 % der Lebendgeborenen ausmacht. Es wurde nur ein Fall einer vertikalen Transmission festgestellt, was einer Rate von 0,2 % entspricht.
Schlussfolgerung: Die niedrige Transmissionsrate, die geringe Viruslast und die große Zahl natürlicher Entbindungen in dieser Kohorte unterstreichen den Erfolg und die Bedeutung einer interdisziplinären Schwangerenvorsorge und einer wirksamen ART zur Reduktion einer vertikalen HIV-Übertragung. Die mütterliche HIV-Infektion bleibt jedoch eine Herausforderung in der geburtshilflichen Versorgung und es besteht weiterhin Forschungsbedarf zum Umgang mit Schwangerschaften HIV-positiver Frauen, selbst im globalen Norden. Künftig sollten das erste und zweite Ultraschallscreening Teil der Schwangerenvorsorge für HIV-infizierte Frauen sein, damit mögliche Nebenwirkungen der intensiven medikamentösen Therapie erkannt werden können. Um Komplikationen bei weiteren Schwangerschaften zu minimieren, sollte eine Reduktion elektiver Kaiserschnitte in bestimmten Gruppen angestrebt werden, welche mittels der Robson-Klassifikation identifiziert werden können.
Objectives: This study aimed to investigate the outcomes of pregnancy and childbirth in women living with HIV (WLWH) at a tertiary care institution, including the rate of mother-to-child transmission (MTCT), birth modes via an application of the Robson classification, weight and gestational age of the newborns and fetal anomalies detected through prenatal ultrasound screening during prenatal diagnostics.
Methods: This single-center, retrospective study analyzed data related to pregnancy and childbirth from HIV-positive women and their children born between January 2014 and December 2020 and who received medical care at the Campus Virchow Klinikum of the Charité in Berlin. The data were evaluated descriptively.
Results: This study included 420 HIV-positive women and their 428 newborns. 415 (98.8 %) women were on antiretroviral Therapy (ART). The ART consisted of two nucleoside reverse transcriptase inhibitors plus a protease inhibitor in 196 (47.2 %) patients, which is the majority of those treated. Most women (88.8%) had a suppressed viral load < 50 cop/ml prior to delivery. 46 (11 %) newborns were born prematurely and 373 (89.2 %) had a normal birth weight between 2500 g and 4500 g. A total of 219 (52.1 %) cesarean sections (CS) were performed, with the most common indication (70.2 %) being a previous CS for an elective CS. A high viral load was a rare indication for a CS. Eight severe malformations were detected through first and second trimester ultrasound, which is 1.9 % of the live borns. Only one case of MTCT was detected, which results in a MTCT rate of 0.2 %
Conclusions: The low rate of MTCT, the low viral load and the large number of vaginal deliveries in this study highlight the importance of interdisciplinary prenatal care and effective ART in preventing HIV transmission. A high experience of healthcare providers in WLWH is also important. However, maternal HIV infection remains a challenge in obstetric care, and there is a need for continued research and improvements in the management of HIV-positive pregnancies, even in the Global North. Prenatal care for HIV-infected women should include first and second trimester ultrasound screening, to monitor for potential drug side effects. To minimize complications in future pregnancies, limiting elective CS in specific subgroups of WLWH may be beneficial. The Robson classification could assist in identifying these targeted groups.