Die Masterarbeit "Dialogisches Lernen und Sprachbildung im Mathematikunterricht" ist an der Schnittstelle von Mathematikdidaktik und Sprachbildung verortet und untersucht das Dialogische Lernen nach Gallin und Ruf im Hinblick auf seine sprachbildenden Potenziale im Mathematikunterricht. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass mathematisches Lernen in hohem Maße sprachlich vermittelt ist und Sprache dabei nicht nur Medium, sondern zugleich Voraussetzung und Gegenstand fachlichen Lernens darstellt. Vor diesem Hintergrund wird das Dialogische Lernen als Unterrichtskonzept betrachtet, das durch seine konsequente Ausrichtung auf Schriftlichkeit, individuelle Denkwege und dialogische Rückmeldung besondere Anknüpfungspunkte für sprachbewusstes Lernen bietet. Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse zweier didaktischer Ansätze: dem Dialogischen Lernen nach Ruf und Gallin sowie dem Konzept des sprachbildenden Mathematikunterrichts nach Prediger. Ziel ist es, beide Konzepte systematisch zueinander ins Verhältnis zu setzen und zu klären, inwiefern das Dialogische Lernen – betrachtet durch die „Brille“ der Sprachbildung – als sprachsensibler beziehungsweise teilweise sprachbildender Mathematikunterricht verstanden werden kann. Im analytischen Teil werden die grundlegenden sprachdidaktischen Orientierungen sowie zentrale Prinzipien der Sprachbildung nach Prediger auf das Dialogische Lernen angewendet. Dabei zeigt sich, dass das Dialogische Lernen zahlreiche sprachbildende Potenziale aufweist: Es fördert reichhaltige Sprachhandlungen, unterstützt die individuelle Begriffsbildung, verknüpft sprachliche und fachliche Lernprozesse und macht Denkwege durch schriftliche Artikulation sichtbar und reflektierbar. Gleichzeitig wird deutlich, dass zentrale Elemente eines systematisch sprachbildenden Mathematikunterrichts – wie vorausschauende Sprachdiagnostik, explizite Scaffolds, planvolle Registerarbeit oder angeleitete Darstellungs- und Sprachenvernetzung – im Dialogischen Lernen nicht vorgesehen sind. Diese Begrenzungen ergeben sich jedoch nicht aus einem didaktischen Defizit, sondern aus der konzeptionellen Offenheit des Ansatzes, der individuelle Ausdrucksformen und nicht vorstrukturierte Lernwege bewusst in den Mittelpunkt stellt. Auf dieser Grundlage werden Konsequenzen für die Unterrichtspraxis abgeleitet. Die Arbeit zeigt, dass Sprachbildung im Dialogischen Lernen dort sinnvoll integrierbar ist, wo sie reaktiv, minimal und an authentischen Lernendenäußerungen orientiert erfolgt – insbesondere im Rahmen der dialogischen Rückmeldung und der Autografensammlung. Eine zentrale Rolle kommt dabei der sprachlichen Sensibilität der Lehrkraft zu, die sprachliche Lerngelegenheiten wahrnimmt und aufgreift, ohne die dialogische Offenheit des Unterrichts zu unterlaufen. Insgesamt leistet die Arbeit einen Beitrag zur mathematikdidaktischen Diskussion um sprachbewusst gestalteten Unterricht und zeigt, wie fachliches und sprachliches Lernen im Dialogischen Lernen miteinander verbunden werden können, ohne den Kern des Konzepts aufzugeben.