Die vorliegende Habilitationsarbeit untersucht die Rolle der tiefen Hirnstimulation (THS) bei der Behandlung des Morbus Parkinson und deren potenzielle Anwendung zur Linderung chronischer Rückenschmerzen, einer häufigen und stark belastenden Begleiterkrankung bei an Morbus Parkinson erkrankten Patientinnen und Patienten. Seit der Einführung der THS in den späten 1980er-Jahren hat diese Methode die Therapie motorischer Symptome des Morbus Parkinson revoluoniert. Die positve Wirkung der THS auf die Hauptsymptome Rigor, Tremor und Brady/Akinese ist gut belegt, jedoch bleibt ihre Wirkung auf andere, stark belastende Symptome wie axiale Instabilität, Sprachprobleme und chronische Rückenschmerzen eingeschränkt und wenig erforscht. Chronische Rückenschmerzen sind bei Parkinson-Patientinnen und -Patenten eine häufige, jedoch unterrepräsentierte Komorbidität. Sie stehen in Zusammenhang mit spinalen Deformitäten wie der Camptocormie und dem Pisa-Syndrom, deren pathophysiologische Mechanismen nicht vollständig verstanden sind. In dieser Arbeit wird untersucht, inwiefern die THS durch die Modulaton neuronaler Netzwerke zur Linderung von Rückenschmerzen beitragen könnte. Die Erweiterung der Indikation der THS auf Rückenschmerzen könnte langfristig zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität der Patientinnen und Patenten führen und eine therapeutische Alternative gegenüber komplikationsbehafteter Wirbelsäulenoperationen darstellen. Die Arbeit befasst sich zudem mit den erhöhten Komplikationsraten und biomechanischen Herausforderungen bei Wirbelsäuleneingriffen an Parkinson- Patentinnen und -Patienten, die aufgrund ihrer neurodegenerativen Erkrankung besondere Anforderungen an die operative Therapie stellen. Studien zeigen eine überdurchschnittlich hohe Komplikatonsrate bei stabilisierenden Eingriffen an der Wirbelsäule, was eine detaillierte Analyse der Risikofaktoren und eine angepasste operative Strategie erforderlich macht. Eine neuartige Methode zur dynamischen, nicht-invasiven Bewertung der biomechanischen Eigenschaften der Wirbelsäule wird vorgestellt, um mögliche Fehlbelastungen und Risikofaktoren präziser zu identifizieren und präventive Ansätze zu entwickeln. Schließlich thematisiert die Arbeit THS-assoziierte Komplikationen, insbesondere Implantat-assoziierte Infektionen, die ein relevantes Risiko darstellen. Die Arbeit schlägt optimierte Strategien zur Prävention und Behandlung dieser Infektionen, einschließlich durch niedrigvirulente Erreger, vor. Zusammengefasst bietet diese Habilitationsarbeit neue Einblicke in die therapeutischen Potenziale und Herausforderungen der THS für die komplexe Symptomatik des Morbus Parkinson. Die Ergebnisse dieser Arbeit könnten als Basis für eine Erweiterung der Indikationsfelder der THS und die Entwicklung interdisziplinärer, individualisierter Behandlungsansätze dienen, um die Lebensqualität und das Wohlbefinden von Patentinnen und Patienten mit Morbus Parkinson nachhaltig zu verbessern.