Hintergrund: Hausstaubmilben, insbesondere Dermatophagoides pteronyssinus (D.pt.) und Dermatophagoides farinae, stellen eine der häufigsten Ursachen für ganzjährige respiratorische allergische Erkrankungen dar. Innerhalb der Spezies D.pt. wurde vor einigen Jahren das Molekül Der p 23 identifiziert und nachfolgend als Majorallergen klassifiziert. In Querschnittsstudien konnte bereits eine Assoziation des Moleküls zu allergischen Erkrankungen aufgezeigt werden. Zielsetzung: Ziel dieser Arbeit ist die detaillierte Untersuchung der IgE-vermittelten Sensibilisierung gegen Der p 23 in Hinblick auf die zeitliche Entwicklung, potenzielle Risikofaktoren und die Assoziation zu klinischen allergischen Erkrankungen (Asthma, Allergische Rhinitis, Atopische Dermatitis) in einer longitudinalen Studie. Methodik: Im Rahmen der Multizentrischen Allergiestudie (MAS) wurden über einen Zeitraum von 20 Jahren, beginnend ab Geburt, Daten innerhalb einer prospektiven Geburtskohorte ermittelt. In die aktuelle Arbeit wurden 191 Proband*innen mit Sensibilisierung gegen D.pt.-Extrakt eingeschlossen. Nachfolgend wurden alle Serumproben mit positivem sIgE gegen Der p 23 in einem semiquantitativen Microarray (ImmunoCAP ISAC) mittels quantitativem Singleplex-Assay auf Der p 23-sIgE untersucht (ImmunoCAP 100). Für die statistischen Berechnungen wurden zusätzlich Daten aus der MAS-Datenbank genutzt. Ergebnisse: 51% der 191 Proband*innen mit Milbensensibilisierung wiesen eine Sensibilisierung gegen Der p 23 auf. Eine hohe frühkindliche Milbenexposition sowie Atopische Dermatitis im Kleinkindalter schienen als Risikofaktoren eine Rolle zu spielen. In 46% begann die Sensibilisierung gegen Der p 23 bereits vor dem Alter von 10 Jahren, wo sie ein Maximum erreichte und unabhängig vom Zeitpunkt der initialen Sensibilisierung mit zunehmendem Alter abnahm. Bei 11 Proband*innen konnte innerhalb der Spezies D.pt. eine monomolekulare Sensibilisierung gegen Der p 23 beobachtet werden. Diese Proband*innen wiesen im Vergleich zu den Proband*innen mit polymolekularer Milbensensibilisierung deutlich geringere IgE-Konzentrationen gegen das Milbenextrakt bei hohen Der p 23-sIgE-Konzentrationen auf. Die Prävalenz respiratorischer allergischer Erkrankungen war signifikant erhöht in der Gruppe mit Der p 23-Sensibilisierung, dabei stieg die Prävalenz von Asthma nach initialer Der p 23- Sensibilisierung deutlich an. Schlussfolgerung: Der p 23 ist ein bedeutendes Milbenallergen mit Assoziation zu allergischen Erkrankungen wie Asthma und Allergischer Rhinitis, dessen Sensibilisierung durch frühkindliche Milbenexposition oder Atopische Dermatitis begünstigt werden kann. In Milbenextrakten scheint das Molekül unterrepräsentiert zu sein. Bei Verdacht auf eine Milbenallergie trotz negativer sIgE-Antworten gegen das Milbenextrakt oder die beiden anderen Majorallergene Der p 1 und Der p 2 sollte an eine Der p 23-Monosensibilisierung gedacht und die Diagnostik entsprechend erweitert werden.
Background: House dust mites, especially Dermatophagoides pteronyssinus (D.pt.) and Dermatophagoides farinae, represent one of the most common causes of perennial respiratory allergic diseases. Within the species D.pt, the molecule Der p 23 was identified several years ago and subsequently classified as a major allergen. An association of the molecule to allergic diseases has been shown in cross-sectional studies. Objective: The aim of this longitudinal study is the detailed investigation of the IgE-mediated sensitisation to Der p 23 regarding its evolution over time, potential risk factors and association with allergic diseases, such as asthma, allergic rhinitis and atopic dermatitis. Methods: Within the German Multicentre Allergy Study (MAS), clinical and serological data were collected within a birth cohort over a period of 20 years, from birth onwards. In the current work, 191 subjects with sensitisation to mite extract were included. Subsequently, all serum samples with positive sIgE against Der p 23 in a semiquantitative microarray (ImmunoCAP ISAC) were analysed for Der p 23-sIgE with a quantitative singleplex assay (ImmunoCAP 100). Additional data from the MAS database was used for statistical calculations. Results: 51% of the 191 subjects with mite sensitisation were sensitised to Der p 23. High exposure to mites and atopic dermatitis in infancy seemed to play a role as risk factors. Sensitisation to Der p 23 started in 46% before the age of 10, when it reached a maximum and decreased to minimal values at 20 years, independent of the time of initial sensitisation. In 11 subjects, monomolecular sensitisation against Der p 23 (within the species D.pt.) was observed. Compared to the subjects with polymolecular mite sensitisation, these subjects showed significantly lower IgE concentrations to the mite extract, yet had high Der p 23-sIgE concentrations. The prevalence of respiratory allergic diseases was significantly increased in the group with Der p 23 sensitisation, with a significant increase in the prevalence of asthma after initial Der p 23 sensitisation. Conclusion: Der p 23 is a major mite allergen associated with allergic diseases such as asthma and allergic rhinitis. Its sensitisation may be promoted by early childhood mite exposure and atopic dermatitis. The molecule appears to be underrepresented in mite extracts. Therefore, if mite allergy is suspected despite negative sIgE responses to the mite extract or the other two major allergens Der p 1 and Der p 2, monomolecular sensitisation to Der p 23 should be considered and the diagnostic algorithm should be extended accordingly.