dc.contributor.author
Petereit, Franziska
dc.date.accessioned
2018-09-06T13:38:58Z
dc.date.available
2018-09-06T13:38:58Z
dc.identifier.uri
https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/22818
dc.identifier.uri
http://dx.doi.org/10.17169/refubium-616
dc.description.abstract
Die Knochenheilung ist ein komplexer Vorgang, bei der die Reparation in einer
vollständigen Rekonstruktion der ursprünglichen Struktur, Funktion und
Belastbarkeit des Knochens mündet. Besonders die Heilung größerer Defekte
langer Röhrenknochen ist dabei meist langwierig und nicht immer erfolgreich.
Bei 5–10 % aller diaphysären Frakturen sind Heilungsstörungen zu erwarten. Sie
können iatrogen durch falsche Osteosynthesewahl, Missachtung der Asepsis und
zusätzlicher Traumatisierung bei der Osteosynthese verursacht und/oder
patienten- (Alter, Gewicht, systemische Erkrankungen, Immunstatus) und
frakturbedingt (Lokalisation: epi-, me-ta-, diaphysär; Konfiguration: einfach,
gesplittert, zertrümmert, offen) sein (JACKSON und PACCHIANA, 2004; CALORI et
al., 2007). Für den Menschen gelten diaphysäre Splitter-/Trümmerfrakturen mit
einer Defektgröße über 140 % des Knochendurchmessers als Brüche, die nicht
mehr natürlich und ohne ärztliche Intervention heilen (MATHON et al., 1998).
In der Kleintiermedizin konnten dazu nur ganz allgemein Empfehlungen gefunden
werden: „Besteht ein Knochendefekt oder können Bruchenden nicht korrekt
reponiert werden, so ist die Lücke primär mit autogener Spongiosa aufzufüllen.
Sekundär erfolgt die Spongiosatransplantation bei verzögerter oder
ausbleibender Frakturheilung.“ Auch wenn in zahlreichen Dokumentationsanalysen
zu Gliedmaßenfrakturen bei Hund und Katze die Inzidenz, Lokalisation und der
Frakturtyp sowie die Osteosyntheseverfahren analysiert sind, fehlen Daten zur
primären oder sekundären Behandlung mit autogenen Spongiosatransplantaten.
Gemessen am Goldstandard „Spongiosatransplantation“ sollte zudem erstmals eine
neuartige Polymermembran (BoneCure®) mit osteokonduktiven Eigenschaften
geprüft werden, ob diese den knöchernen Durchbau von Frakturen,
Korrekturosteotomien und Arthrodesen fördert. In den Jahren 2007–2014 wurden
in der Kleintierklinik der Freien Universität Berlin 542 Hunde mit einer
extraartikulären Fraktur eines der langen Röhrenknochen (Radius/Ulna, n = 193;
Os femoris, n = 126; Tibia/Fibula, n = 112; Humerus, n = 111) zur Versorgung
vorgestellt. 99 (18 %) der Frakturen waren gesplittert. Die Splitterfraktur
wurde als Bruch eines langen Röhrenknochens mit mindestens drei Fragmenten
definiert. 18 Splitterfrakturen waren offen. Die Patienten waren Tiere
verschiedener Rassen, verschiedenen Alters, Geschlechts und Körpergewichts.
Die Frakturen waren Folge verschiedener Traumata. Zur Stabilisierung der
Frakturen wurden intra- und extramedulläre Osteosynthesetechniken genutzt.
Prospektiv wurde bei 14 Hunden und Katzen der frakturierte, osteotomierte oder
arthrodetisierte Bereich knochennah zunächst mit der osteokonduktiven Membran
BoneCure® ummantelt und die Fraktur osteosynthetisiert. Der Heilungsverlauf
wurde klinisch und röntgenologisch begleitet. Von den 99 extraartikulären
Frakturen war das Os femoris mit 42 (42 %) vor Tibia/Fibula (n = 29; 29 %),
Radius/Ulna (n = 24; 24 %) und Humerus (n = 4; 4 %) am häufigsten gesplittert.
40 der Hunde gehörten groß-, 34 mittel- und 25 kleinwüchsigen Rassen bzw.
Kreuzungen an. Das Alter betrug zwischen 2 Monaten und 14 Jahren. Die Tiere
waren zwischen 3–62 kg schwer. 51 Hunde waren weiblich und 48 männlich. Die
Osteosynthese wurde 73-mal extramedullär mit einer Platte (n = 68) oder
Fixateur externe (n = 5), neunmal intramedullär mit einem Markraum- (n = 8)
oder Verriegelungsnagel (n = 1) und 15 extra-/intramedullär kombiniert im
Verfahren „Plate and Rod“ (n = 13) oder „Tie in“ (n = 2) durchgeführt. Zwei
Tiere wurden nicht durch die Kleintierklinik der FU Berlin osteosynthetisiert.
Unabhängig von diesen Osteosyntheseverfahren wurde zur zusätzlichen Fixation
eines Splitters eine Zug-/Stellschraube (n = 22) oder Draht-/Fadencerclage (n
= 23) platziert. Nur einmal wurde zur Defektfüllung primär autogene Spongiosa
transplantiert. Der Heilungsverlauf konnte von 79 Hunden (80 %) in der Klinik
kontrolliert werden. Bei 57 Frakturen (72 %) (22-mal Os femoris, je 16-mal
Tibia/Fibula und Radius/Ulna, dreimal Humerus) heilte der Bruch ohne
Komplikationen (49-mal nach Platte, zweimal nach Fixateur externe, sechsmal
nach Mark-/Verriegelungsnagel). Komplikationen erlitten 22 Frakturen (27,8 %),
einige mehrfach: Implantatversagen (n = 6), Osteomyelitis (n = 6), verzögerte
Frakturheilung (n = 5), Wundinfektion (n = 3), Pseudarthrose/Nonunion (n = 2),
je einmal Heilung in Fehlstellung, Refraktur, transiente Radialislähmung,
Tiefenschmerzverlust, Tod. Bei Implantatversagen wurden die
gebrochenen/gebogenen Platten (n = 5) und Fixateur externe (n = 1) gegen
stabilere ausgetauscht; bei Osteomyelitis antibiotisch (n = 6) therapiert in
Kombination mit Debridement (n = 3), Implantatwechsel/-entfernung (n = 2) oder
Rivanolverbänden (n = 1). Delayed und Nonunions wurden debridementiert (n =
6), in einem Fall zusätzlich das Implantat dynamisiert. Bei Refraktur wurde
erneut osteosynthetisiert (n = 1), bei Wundinfektionen antibiotisch therapiert
(n = 2) oder die Gliedmaße amputiert (n = 1). Bei Tiefenschmerzverlust wurde
die Gliedmaße amputiert (n = 1), bei transienter Radialislähmung
Physiotherapie (n = 1) angewendet. Siebenmal wurde sekundär autogene Spongiosa
transplantiert: zweimal nach Plattenbruch (einmal davon mit Nonunion), einmal
bei Osteomyelitis in Verbindung mit einem Sequester und viermal bei
verzögerter Frakturheilung. Die BoneCure®-Membran wurde bei acht akuten, zwei
verzögert heilenden, zwei nach Fehlwachstum korrigierten Frakturen und zwei
Arthrodesen zur Beschleunigung der Knochenheilung eingesetzt. Bei sieben
dieser Anwendungen (50 %) war die Heilung komplikationsbehaftet. Die
Komplikationen – dreimal Implantatversagen, je zweimal Wundinfektion und
Refraktur – sind nicht der Membran anzulasten. Allerdings konnte klinisch-
röntgenologisch nicht nachgewiesen werden, dass BoneCure® die Frakturheilung
beschleunigt. Diaphysäre Splitterfrakturen der langen Röhrenknochen beim Hund
sind, wenn mehr als drei Fragmente zusätzlich zu den beiden Hauptbruchstücken
vorliegen, trotz Osteosynthese enorm komplikationsgefährdet. Unter den
Komplikationen ist die Mehrzahl – Implantatversagen (n = 6), Osteomyelitis (n
= 6), Wundinfektion (n = 3) – wesentlich iatrogen (68 %) verursacht, während
32 % – Delayed (n = 5) und Nonunion (n = 2) – der Splitterung des Knochens
anzulasten sind. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass in etwa 10 % der
extraartikulären Splitterfrakturen der langen Röhrenknochen beim Hund eine
primäre Transplantation autogener Spongiosa nützlich ist, die Fraktur zur
Heilung zu bringen. Da beim Hund ausreichend große Spongiosadepots gegeben
sind, besteht so gut wie nie die Indikation, die Osteosynthese einer
traumatisch bedingten Fraktur durch Fremdmaterial mit z. B. osteokonduktiven
Eigenschaften zu ergänzen.
de
dc.description.abstract
Bone healing is a complex process and in a successful reparation, results in a
complete reconstruction of its former structure, function and resilience. The
healing of large defects of long bones is often protracted and not always
successful. Problems in healing are to be expected in 5–10 % of all diaphyseal
fractures. They can be caused iatrogenically by choosing the wrong type of
osteosynthesis, disregarding asepsis and additional intraoperative
traumatizing and/or be patient-related (age, weight, systemic diseases, immune
status) and fracture-related (localization: epi-, meta-, diaphyseal;
configuration: simple, comminuted, open) (JACKSON und PACCHIANA, 2004; CALORI
et al., 2007). In humans, comminuted fractures with defects sized larger than
140 % of the bone diameter are considered as fractures that do not heal
without medical intervention (MATHON et al., 1998). In small animal medicine,
only general recommendations exist: „If there is a bone defect or if the bone
fragments cannot be anatomically reduced, the defect should be filled
primarily with autogenous cancellous bone. Secondarily, cancellous bone is
transplanted in delayed or nonunions.” Although a lot of studies about limb
fractures in dogs and cats analyse the incidence, localization and fracture
type as well as osteosynthesis, there is no data on the primary or secondary
treatment with autogenous transplantation of cancellous bone. Compared to the
gold standard “cancellous bone transplantation” a new polymeric membrane
(BoneCure®) with osteoconductive features is tested to identify if it can
accelerate healing of fractures, corrective osteotomies and arthrodeses. From
2007–2014, 542 dogs with extraarticular fractures of a long bone (radius/ulna,
n = 193; femur, n = 126; tibia/fibula, n = 112; humerus, n = 111) were
presented for treatment at the small animal clinic of the Free University
Berlin. 99 (18 %) were comminuted fractures. A comminuted fracture was defined
as a fracture of a long bone with at least three fragments. 18 comminuted
fractures were open fractures. The dogs were of different breeds, age, sex and
weight. The fractures were caused by different types of traumata. Intra- and
extramedullary osteosynthesis was performed for stabilization. 14 dogs and
cats with a fracture, corrective osteotomy or arthrodesis were prospectively
treated with the osteoconductive membrane BoneCure® between bone and
osteosynthetic material. The healing process was evaluated by means of
clinical examination and X-rays. Of the 99 extraarticular, comminuted
fractures, the femur (n = 42) was most often comminuted, followed by
tibia/fibula (n = 29), radius/ulna (n = 24) and humerus (n = 4). 40 dogs were
large-(cross)bred, 34 medium-(cross)bred and 25 small-(cross)bred. The age of
the animals was between two months and 14 years. Weight was between three and
62 kg. 51 dogs were female and 48 male. Extramedullary osteosynthesis (n = 73)
was performed in 68 cases by plating and in five cases by fixateur externe.
Intramedullary osteosynthesis (n = 9) was performed by medullary nail in eight
cases and by interlocking nail in one case. The combination of extra- and
intramedullary osteosynthesis (n = 15) was performed by “plate and rod” in 13
cases and by “tie in” in two cases. Two dogs were operated elsewhere. In 22
animals screws, and in 23 animals cerclages (n = 23) were used for additional
fixation of fragments. Autogenous cancellous bone was used for defect filling
only once. The healing process could be accompanied by the clinic in 79 dogs
(80 %). In 57 fractures (72 %) (femur: n = 22; tibia/fibula: n = 16;
radius/ulna: n = 16; humerus: n = 3) healing occurred without any
complications (plate: n = 2; fixateur externe: n = 2; intramedullary nailing:
n = 6). Complications were detected in 22 dogs (27,8 %), some of them more
than once: implant failure (n = 6), osteomyelitis (n = 6), delayed union (n =
5), wound infection (n = 3), nonunion (n = 2), malunion (n = 1), refracture (n
= 1), transient paralysis of the radial nerve (n = 1), loss of limb
sensitivity (n = 1) and death (n = 1). Treatment of implant failure included
implant replacement. Osteomyelitis was treated with antibiotics (n = 6) as
well as debridement (n = 3), implant replacement/removal (n = 2) or rivanol
bandages (n = 1). Delayed and nonunions were treated with debridement (n = 6)
and implant dynamisation (n = 1). Refractures were re-osteosynthetised and
wound infections were treated with antibiotics (n = 2) or limb amputation (n =
1). Limb amputation was also performed in the patient with loss of limb
sensitivity. Transient paralysis of the radial nerve was successfully treated
with physiotherapy. Autogenous cancellous bone was secondarily transplanted in
seven cases: two times after plate failure (one of them with nonunion), once
after osteomyelitis in combination with a sequester and four times in delayed
unions. The BoneCure® membrane was used for acceleration of bone healing in
eight acute fractures, two delayed unions, two corrective osteotomies and two
arthrodeses. Complications occurred in seven of these cases (50 %): implant
failure (n = 3), wound infection (n = 2) and refracture (n = 2). This cannot
be attributed to the membrane. Nevertheless, there is no clinical or
radiological evidence that BoneCure® accelerates fracture healing. Diaphyseal
comminuted fractures of long bones in dogs are prone to develop complications
during healing, especially if more than five fragments occur. Most of the
complications – implant failure (6x), osteomyelitis (6x), wound infections
(3x) – are created iatrogenically (68 %), whereas delayed (5x) and nonunion
(2x) are caused by the comminution of bone (32 %). From these results, it can
be concluded that approximately 10 % of extraarticular comminuted fractures of
long bones in dogs can benefit from primary transplantation of autogenous
cancellous bone. Due to the large stocks of cancellous bone in dogs,
supplementation of osteosynthesis with foreign material, e. g. osteoconductive
membranes, is only rarely needed.
en
dc.format.extent
X, 160 Seiten
de
dc.rights.uri
http://www.fu-berlin.de/sites/refubium/rechtliches/Nutzungsbedingungen
de
dc.subject
small animal practice
en
dc.subject
bone fractures
en
dc.subject
surgical operations
en
dc.subject
fracture fixation
en
dc.subject
fracture healing
en
dc.subject.ddc
600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften::630 Landwirtschaft
dc.title
Heilung diaphysärer Splitterfrakturen langer Röhrenknochen beim Hund ohne –und mit osteokonduktiver Fremdmaterial- Unterstützung (BoneCure®) bei Hund und Katze
de
dc.contributor.gender
female
de
dc.contributor.firstReferee
Brunnberg, Leo
dc.contributor.furtherReferee
Handler, Johannes
dc.contributor.furtherReferee
Müller, Kerstin E.
dc.date.accepted
2017-07-12
dc.date.embargoEnd
2018-07-30
dc.identifier.urn
urn:nbn:de:kobv:188-refubium-22818-0
dc.title.translated
Analysis of the healing process of canine comminuted fractures of long bones
and investigation of an osteoconductive membrane (BoneCure®) for acceleration
of fracture healing in dogs and cats
en
refubium.affiliation
Veterinärmedizin
de
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