Im Rahmen dieses Projektes wurde das an der archäologischen Stätte M50.14-16, einer häuslichen Werkstatt in der Südstadt von Amarna (dem antiken Achetaton in Mittelägypten, ca. 1353–1336 v. Chr.), ausgegrabene Material analysiert und für die Publikation aufbereitet. Die Stätte umfasst zwei Wohnhäuser (M50.16 und M50.15) sowie einem möglichen Arbeitshof (M50.14). Ausgrabungen unter der Leitung der Antragstellerin (2014 und 2017) förderten – im Gegensatz zur Grabung 1922 unter Woolley – Überreste industrieller Aktivitäten zutage, insbesondere zur Glasverarbeitung, Fayenceproduktion, Metallverarbeitung und Achatbearbeitung. Das Projekt umfasste die vollständige Auswertung des 1922er und des modernen Grabungsarchivs sowie die Rekonstruktion der archäologischen und bauhistorischen Entwicklung der Stätte. Durch eine räumliche Analyse des Fundmaterials konnten Aktivitätsbereiche für die Verarbeitung verschiedener Materialien identifiziert werden. Der Vergleich des ausgegrabenen industriellen Materials mit Objekten anderer inner- und außerägyptischer Stätten lieferte neue Erkenntnisse zu sozioökonomischen Prozessen spätbronzezeitlicher Siedlungen, insbesondere zu Produktionsabläufen (chaîne opératoire) und der Organisation der Produktion. Eine soziale und demographische Studie beleuchtete die Bewohner der Stätte, die vermutlich der sozialen Mittelschicht Amarnas angehörten, deren Namen und Titel jedoch nicht überliefert sind. Zudem wurde die Werkstatt mit ihrem Umfeld in der Südstadt von Amarna kontextualisiert, was den Austausch von Wissen und Rohstoffen zwischen den Werkstätten Amarnas aufzeigte. Der Vergleich mit anderen urbanen und industriellen Stätten in Ägypten, dem Sudan und Westasien ermöglichte die Einordnung der Werkstatt in den internationalen industriellen Kontext der Spätbronzezeit und verdeutlichte die Bedeutung handwerklicher Produktion für gesellschaftliche und wirtschaftliche Netzwerke dieser Epoche.