Coercive measures and involuntary admissions severely restrict patients’ fundamental rights and may lead to different negative consequences for patients and staff. Yet, they remain regularly used interventions in psychiatry. The body of research surrounding coercive measures shows that different factors influence their use in psychiatric care including certain clinical, treatment and admission-related factors. Furthermore, past research suggests that the acute admission situation and mental health crisis intervention are times where patients are at a high risk of experiencing coercive measures. The studies presented in this dissertation aim at contributing to a better understanding of predictors and times of use of coercive measures in psychiatry. In a sample of N = 1556 cases, the first study by Cole & Klotz et al. (2022) examines the association between patients’ communication ability at admission (perfect; limited due to language or other reasons; impossible due to language or other reasons) and the use of coercive measures and involuntary admissions to psychiatric care. Controlling for potentially confounding variables, the results show a significant association between limited or impossible communication ability due to language or other reasons and involuntary admission. Furthermore, limited communication ability due to language as well as limited and impossible communication ability due to other reasons were found to be significant predictors for the use of coercive measures. The second study by Cole et al. (2023) focusses on the times of use of coercive measures in psychiatry and examined in detail the times during which patients are at highest risk of experiencing coercive measures and whether certain patient characteristics can serve as predictors for coercive measures depending on their time of use during hospitalization. The results show that patients are at highest risk of experiencing coercion within the first hours of hospitalization and acute intoxication, aggression, male gender, and limited communication ability are significantly associated with the earlier use of coercion. The results of both studies suggest that when it comes to the prevention of coercive measures and involuntary treatment, a stronger focus needs to be placed on the acute admission situation and on implementing targeted interventions for the patient groups identified to be at highest risk of experiencing coercion and involuntary hospitalization. Practical implications and derived interventions are discussed.
Zwangsmaßnahmen und unfreiwillige Unterbringungen in psychiatrische Kliniken stellen eine Einschränkung verschiedener Grundrechte von Patient*innen dar und führen zu unterschiedlichen negativen Folgen für Patient*innen und Personal. Dennoch werden sie nach wie vor regelmäßig in der Psychiatrie eingesetzt. Die bisherige Forschung zu Zwangsmaßnahmen zeigt, dass verschiedene Faktoren ihren Einsatz in der psychiatrischen Versorgung beeinflussen, darunter bestimmte klinische, behandlungsund aufnahmebezogene Faktoren. Darüber hinaus deuten frühere Forschungsergebnisse darauf hin, dass Patient*innen in der akuten Aufnahmesituation und während der psychiatrischen Krisenintervention einem hohen Risiko ausgesetzt sind, Zwangsmaßnahmen zu erfahren. Die in dieser Dissertation eingebundenen Studien sollen zu einem besseren Verständnis von Prädiktoren und Einsatzzeiten von Zwangsmaßnahmen in der Psychiatrie beitragen. Die erste Studie von Cole & Klotz et al. (2022) untersucht in einer Stichprobe von N = 1556 Fällen den Zusammenhang zwischen der Kommunikationsfähigkeit von Patient*innen bei Aufnahme (perfekt; aus sprachlichen oder anderen Gründen eingeschränkt; aus sprachlichen oder anderen Gründen unmöglich) und dem Einsatz von Zwangsmaßnahmen und unfreiwilligen Einweisungen. Unter Kontrolle potenziell konfundierender Variablen zeigen die Ergebnisse einen signifikanten Zusammenhang zwischen eingeschränkter oder unmöglicher Kommunikation aufgrund von Sprachbarrieren oder anderen krankheitsbezogenen Gründen und unfreiwilliger Aufnahme. Darüber hinaus erwiesen sich eine eingeschränkte Kommunikation aufgrund von Sprachbarriere sowie eine eingeschränkte oder unmögliche Kommunikation aufgrund anderer Gründe als signifikante Prädiktoren für den Einsatz von Zwangsmaßnahmen. Die zweite Studie von Cole et al. (2023) konzentriert sich auf die Zeitpunkte des Einsatzes von Zwangsmaßnahmen in der Psychiatrie und untersucht detailliert, zu welchen Zeitpunkten das Risiko Zwangsmaßnahmen zu erfahren für Patient*innen am höchsten ist. Weiterhin wird untersucht, ob bestimmte Patientencharakteristika je nach Einsatzzeitpunkt als Prädiktoren für Zwangsmaßnahmen identifiziert werden können. Die Ergebnisse zeigen, dass innerhalb der ersten Stunden nach Aufnahme das Risiko Zwang zu erfahren am höchsten ist und dass akute Intoxikation, Aggressivität, männliches Geschlecht und eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit signifikant mit der zeitlich früheren Anwendung von Zwang assoziiert sind. Die Ergebnisse beider Studien legen nahe, dass bei der Prävention von Zwangsmaßnahmen und unfreiwilligen Unterbringungen ein stärkerer Fokus auf die akute Aufnahmesituation und auf die Entwicklung und Implementierung zielgerichteter Interventionen für Patientengruppen mit dem höchsten Risiko für Zwangsmaßnahmen gelegt werden sollte. Implikationen für die klinische Praxis und abgeleitete Interventionen werden diskutiert.