Bakterielle Erkrankungen der tiefen Atemwege werden beim Pferd in den meisten Fällen assoziiert mit einem prädisponierenden Ereignis, welches die Entstehung einer klinisch relevanten Infektion begünstigt. Zu den häufigsten Vorberichten zählen dabei Langstreckentransporte, Aspiration z.B. in Folge einer Obstruktion des Oesophagus, Eingriffe in Vollnarkose oder auch virale Primärinfekte. An der Klinik für Pferde der Freien Universität Berlin sind in den vergangenen Jahren Patienten häufiger postoperativ mit respiratorischen Symptomen und Fieber aufgefallen und es wurde in vielen Fällen die Diagnose einer bakteriellen Lungeninfektion gestellt. Ziel dieser Dissertation war es, den Einfluss des primären Ereignisses auf den Krankheitsverlauf und den Therapieerfolg des einzelnen Patienten zu untersuchen, wobei ein besonderes Augenmerk auf postoperative Erkrankungen gelegt wurde.
Es erfolgte eine retrospektive Datenanalyse über die klinikinterne Software Vetera (Vetera GmbH, Eltville am Rhein, Deutschland), bei der mit Hilfe verschiedener Suchläufe alle Pferde mit bakteriell bedingten Erkrankungen an den tiefen Atemwegen, welche im Zeitraum vom 01.01.2015 bis 31.12.2024 in der Klinik vorstellig wurden, erfasst und in die Studie inkludiert wurden. Neben röntgenologischen und ultrasonographischen Veränderungen am Lungenbild mussten bei den Studienteilnehmern ebenfalls entzündliche Veränderungen in der Laboruntersuchung wie eine erhöhte Leukozytenzahlen und/oder einer Erhöhung der Akute-Phase-Proteine vorliegen, eine Erhöhung der Körpertemperatur über 38,2 °C sowie ein sicherer Nachweis von Bakterien aus Sekreten der tiefen Atemwege. Zusätzlich erfolgte eine Unterteilung der Patienten in verschiedene Gruppen je nach in der Anamnese erhobenen Vorbericht.
Es wurden nach den definierten Kriterien insgesamt 81 Pferde in diese Studie eingeschlossen. Das mittlere Alter der Studienpopulation lag bei 15 Jahren zum Zeitpunkt der Erstvorstellung bei uns in der Klinik. Es lagen signifikante Unterschiede des Alters eines Patienten und dem jeweiligen Vorbericht vor (p < 0,001). Von den 81 Studienteilnehmern wurden 20 Pferde mit primärer respiratorischer Symptomatik, ohne ein konkret vorliegendes prädisponierendes Ereignis in der Vergangenheit, vorgestellt. Zweiundzwanzig Pferde entwickelten die Erkrankung postoperativ und bei 30 Pferden lag vorberichtlich der Verdacht auf Aspiration in Folge einer Schlundverstopfung bzw. bei einem Pferd iatrogen beim Schieben einer Nasenschlundsonde verursacht, vor. Zwei weitere Pferde entwickelten die Erkrankung vermutlich sekundär zu einer Wundinfektion bzw. Thrombophlebitis, bei zwei Tieren lag eine virale Primärinfektion vor und fünf Pferde wurden initial mit Koliksymptomen vorstellig.
Bei insgesamt 46 der 81 Pferde wurde eine innere Körpertemperatur von > 38,2 °C (in dieser Studie als Fieber definiert) in der klinischen Untersuchung bei Erstvorstellung erhoben. Eine Leukozytose lag initial bei 30/81 Pferden vor, eine Leukopenie wiesen 19 der 81 Studienteilnehmer auf. Es lagen signifikante Zusammenhänge zwischen der Lymphozytenzahl und dem Vorbericht der Patienten vor (p = 0,005), wobei der der Befund einer Lymphopenie in der postoperativen Gruppe bei 57,1% erhoben wurde, in der Gruppe „primäre Symptomatik“ bei 40% der Tiere, in der Gruppe „Aspiration“ bei 79,3% und in der Gruppe „Sonstiges“ bei 22,2%.
Diese Studie brachte zudem einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem jeweiligen Vorbericht und der Diagnose des Patienten vor (p < 0,001), wobei insgesamt bei 9/81 Pferden eine abszedierende Pneumonie vorlag, 10/81 eine bakterielle Bronchitis, bei 22/81 eine Pleuropneumonie und bei 40/81 Pferden wurde die Diagnose einer bakteriellen Bronchopneumonie gestellt.
Bei 51 der 81 Pferde wurde eine bakteriologische Untersuchung von Sekreten des tiefen Respirationstrakts eingeleitet, bei der in fünf Fällen kein Erreger nachgewiesen wurden, in zwölf Fällen lag ein einzelner Erreger vor und in 34 Fällen eine Mischinfektion mit mehr als einem Erreger. Bei 35 Pferden wurde zusätzlich ein Antibiogramm erstellt, welches in 31/35 Fällen resistente Erreger hervorbrachte. Es wurde ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem jeweiligen Vorbericht eines Patienten und der Anzahl an Resistenzen erhoben (p = 0,038), wobei in der postoperativen Gruppe mit 53,3% der größte Anteil an multiresistenten Erregern vorlag.
Hinsichtlich der therapeutischen Maßnahmen bei bakteriellen Infektionen der tiefen Atemwege bei Pferden zeigte unsere Studie, dass bei den Pferden aus der postoperativen Gruppe signifikant häufiger eine Thoraxdrainage Anwendung fand (p = 0,016) als in anderen Vorberichtsgruppen. Ebenso lagen signifikante Zusammenhänge zwischen der Art und Menge eingesetzter antibiotischer Wirkstoffe und dem jeweiligen Vorbericht vor (p = 0,002).
Von den 81 Pferden, die in der Klinik aufgrund bakterieller Lungenerkrankungen behandelt worden sind, wurden 63 Pferde entlassen und überlebten die Erkrankung. Der mittlere Klinikaufenthalt der Studienteilnehmer lag bei zehn Tagen. Dreizehn der 63 entlassenen Pferde wurden nach initialem Klinikaufenthalt erneut mit respiratorischen Symptomen vorstellig, wobei die Pferde aus der postoperativen Gruppe signifikant häufiger wiedervorstellig wurden (p = 0,003) als die Tiere aus den anderen Vorberichtsgruppen.
An der Fragebogenstudie nahmen insgesamt 53 Besitzer der 63 entlassenen Pferde teil. Neunundzwanzig Besitzer berichteten von erneuten respiratorischen Symptomen bei ihrem Tier nach Behandlungsabschluss und bei 17 Pferden musste zudem eine erneute Therapie hinsichtlich der bakteriellen Lungenerkrankung erfolgen. Zehn der 53 befragten Besitzer würde aktuell die respiratorische Leistungsfähigkeit ihres Tieres als reduziert beschreiben.
Als negativer prognostische Faktor wurde in dieser Studie die Lymphozytenzahl erhoben (p = 0,026). So war die Wahrscheinlichkeit des Versterbens bei Pferden mit Lymphozytopenie ca. fünfmal höher als bei Pferden mit Werten im Referenzbereich (OR 4,67). Einen ebenso signifikanten Einfluss auf die Entlassung eines Patienten hatte das Vorhandensein eines Pleuraergusses (p = 0,037), wobei die Wahrscheinlichkeit zu versterben bei Pferden mit freier Flüssigkeit im Pleuraspalt ca. dreimal (OR 3,43) höher war als bei Pferden ohne diesen Befund. Die Wahrscheinlichkeit einer Wiedervorstellung aufgrund respiratorischer Symptome war bei Patienten mit Nachweis anaerober Bakterien ca. dreizehnmal höher als bei Pferden ohne Beteiligung dieser Pathogene (p < 0,001, OR 13,3).
Hinsichtlich der Bedeutung bakterieller Lungeninfektion als Komplikation bei chirurgischen Eingriffen brachte die Studie hervor, dass postoperativ im Vergleich zu anderen prädisponierenden Umständen Pleuropneumonie-Erkrankungen signifikant häufiger (p < 0,001) an der Klinik auftraten. Damit verbunden ist in jedem Fall ein erhöhter diagnostischer und auch therapeutischer Aufwand. Die Pferde mit Pleuropneumonien befanden sich in den meisten Fällen über einen längeren Zeitraum in stationärer Behandlung, es waren häufiger chirurgische Therapiemaßnahmen notwendig und es wurden häufiger aufwendigere Untersuchungsmethoden wie z.B. Sonografie- und Röntgenuntersuchungen in den medizinischen Kontrollen angewendet. Damit einhergehend ist ein sehr hoher finanzieller Aufwand für die jeweiligen Besitzer, der nicht unterschätzt werden sollte und bereits bei Diagnosestellung und eventuell sogar beim chirurgischen Vorgespräch mitberücksichtigt und kommuniziert werden sollte. Trotz des hohen medizinischen Aufwands im Falle dieses Erkrankungsbildes zeigte unsere Studie, dass der Therapieerfolg und damit verbunden auch die Rückkehr in die reiterliche Nutzung bei den meisten Patienten zufriedenstellend war. Damit lässt sich die Prognose für eine postoperative Pleuropneumonie-Erkrankung als „gut“ einstufen. Essentiell für diese Einschätzung ist, wie in verschiedenen Quellen beschrieben wird, ein früher Diagnosezeitpunkt und Therapiebeginn. Zudem wirkte sich auch das intensive medizinische Monitoring und damit einhergehend eine frühe therapeutische Modifikation bei den stationären Pferden positiv auf den Heilungsverlauf und Therapieerfolg des Patienten aus. Abschließend kann gesagt werden, dass es, obwohl die Ergebnisse dieser Studie eine Pleuropneumonie als ernstzunehmende Komplikation hinsichtlich einer Vollnarkose bei Pferden offenbarten, in keinem Fall ein Grund für den Verzicht chirurgischer Eingriffe oder aufwendiger diagnostischer Verfahren sein sollte, da dieses Erkrankungsbild aufgrund der kontinuierlichen Weiterentwicklung diagnostischer und therapeutischer Möglichkeiten im Bereich der Pferdemedizin eine gute Prognose aufweist.
Bacterial infections of the lower respiratory tract in horses are mostly associated with a predisposing event that contributes the development of clinically relevant disease. The most frequently reported antecedent events include long-distance transport, aspiration secondary to esophageal obstruction, general anesthesia and viral primary infections. At the equine clinic of the Freien Universität Berlin an increased number of patients presenting postoperatively with respiratory signs and fever were observed in recent years. In many of these cases a diagnosis of bacterial pulmonary infection was made. The objective of this dissertation was to examine the impact of such primary events on disease progression and therapeutic outcome in equine patients with particular emphasis on postoperative complications.
A retrospective data analysis was performed using the clinic software Vetera. All horses with bacterial induced lower respiratory tract disease that presented to the clinic between 01 January 2015 and 31 December 2024 were identified and included in this study. In addition to radiographic and ultrasonographic changes in pulmonary structures, study inclusion required inflammatory alterations in laboratory tests such as increased leukocyte counts and/or elevated acute-phase proteins, an elevated body temperature above 38.2 degrees and detection of bacteria from samples of the lower respiratory tract. Patients were further categorized into groups according to the antecedent events recorded in the anamnesis.
According to the predefined criteria a total of 81 horses were included in the study. The mean age of the study population at the time of first presentation was 15 years. Significant differences were found between patient age and the predisposing event (p < 0.001). Of the 81 study participants, 20 horses presented with primary respiratory symptoms without a clearly identifiable predisposing event in their history. Twenty-two horses developed the disease following general anesthesia, and 30 horses had a history of aspiration following esophageal obstruction. Two horses developed the disease secondarily to a wound infection or thrombophlebitis, two animals had a viral primary infection and five horses initially presented with colic symptoms.
In the first clinical examination 46 of 81 horses had a body temperature > 38.2 °C (defined as fever in this study). Leukocytosis was present initially in 30/81 horses while 19/81 horses exhibited leukopenia. Significant associations were observed between lymphocyte count and the patients antecedent events (p = 0.005). Lymphopenia was detected in 57.1% of the postoperative group, 40% of the horses with primary respiratory symptoms, 79.3% of the group with aspiration, and 22.2% of the group with another medical history.
The study also revealed a significant association between predisposing event and final diagnosis (p < 0.001). Overall 9/81 horses had abscessing pneumonia, 10/81 had bacterial bronchitis, 22/81 had pleuropneumonia and 40/81 were diagnosed with bacterial bronchopneumonia.
Bacteriological examination of samples of the lower respiratory tract was performed in 51 of 81 horses. In five cases no pathogen was detected, in twelve cases a single pathogen was isolated, and in 34 cases mixed infections with more than one pathogen were found. An antibiogram was performed in 35 horses of which 31/35 yielded resistant organisms. A significant association was found between the patients antecedent event and the number of resistances detected (p = 0.038). The postoperative group exhibited the highest proportion of multidrug-resistant organisms (53.3%).
Regarding therapeutic interventions for bacterial lower respiratory tract infections in horses, our study showed that thoracic drainage was used significantly more often in the postoperative group than in other groups of this study (p = 0.016). Significant associations were also observed between the type and number of antimicrobial agents administered and the predisposing event (p = 0.002).
Of the 81 horses treated at the clinic for bacterial pulmonary disease, 63 were discharged and survived the disease. The median hospital stay for study participants was 10 days. Thirteen of the 63 discharged horses were represented with respiratory symptoms after initial discharge. Horses which developed the disease following to general anesthesia were represented significantly more often (p = 0.003) than animals from the other groups.
A questionnaire-based study was completed by 53 owners of the 63 discharged horses. Twenty-nine owners reported recurrent respiratory symptoms in their animals after completion of treatment, and 17 horses required additional therapy for the bacterial pulmonary disease. Ten of the 53 respondents currently described a reduced respiratory performance in their horse.
Lymphocyte count emerged as a negative prognostic factor in this study (p = 0.026). The mortality risk in horses with lymphopenia was approximately five times higher than in horses with values within the reference range (OR 4.67). The presence of a pleural effusion also had a significant impact on discharge (p = 0.037). Horses with free fluid in the pleural space had an approximately threefold higher risk of death (OR 3.43) than horses without this finding. The likelihood of representation because of recurrent respiratory symptoms was approximately thirteen times higher in patients with detection of anaerobic bacteria compared with horses without identification of these pathogens (p < 0.001, OR 13.3).
Concerning the significance of bacterial pulmonary infection as a complication of surgical procedures, the study demonstrated that pleuropneumonia occurs significantly more frequently (p < 0.001) in the postoperative setting compared to other predisposing events. This condition is accompanied by increased diagnostic and therapeutic efforts. Horses affected by pleuropneumonia generally required prolonged hospitalization, more frequent surgical interventions such as thoracic drains as well as the use of advanced diagnostic modalities such as ultrasonography and radiography during follow-up examinations. Consequentely the financial burden for owners is substantial and should be acknowledged and communicated at the time of diagnosis and ideally already during preoperative consultation. Despite the considerable medical effort required in managing this condition, the study demonstrated that therapeutic success was achieved in most cases with an optimistic return to athletic endeavour. Accordingly, the prognosis for postoperative pleuropneumonia can be classified as good. Critical to this assessment as highlighted in the literature are early diagnosis accompanied by prompt initiation of therapy. Intensive medical monitoring and rapid therapeutic adjustment in hospitalized patients further contributed positively to clinical outcomes.
In conclusion, although the results of this study reveal pleuropneumonia as a serious complication of general anesthesia in horses, it should not be regarded as a contraindication for surgical procedures or advanced diagnostic investigations. Owing to ongoing advances in diagnostic and therapeutic approaches in equine medicine, this disease carries a generally likely prognosis.