Stationäre Pflegeeinrichtungen übernehmen eine wichtige Rolle in der Langzeitversorgung hochaltriger, multimorbider und pflegebedürftiger Menschen. Klimabedingte Extremwetterereignisse, technische Störungen, Lieferengpässe oder Pandemien können in diesem Setting schwerwiegende Folgen haben. Da die Nutzer*innen dieser Versorgung kontinuierlich auf pflegerische, medizinische und technische Unterstützung angewiesen sind, haben Alltagsstörungen jedweder Art oft auch gesundheitliche Konsequenzen. Mit den Qualitätsvereinbarungen gemäß § 113 SGB XI sind daher seit 2023 u. a. auch stationäre Pflegeeinrichtungen aufgerufen, sich auf Ausnahmeereignisse jedweder Art vorzubereiten und entsprechende Krisenkonzepte zu erarbeiten. Wie sie dieser Qualitätsvereinbarung nachkommen, ist weitgehend offen. Der Forschungsverbund „Klimagesundheit in Lebenswelten – Implementierung von Bottom-up-Maßnahmen zur Stärkung von Resilienz und gesundheitlicher Chancengleichheit im Kontext klimabedingter Umweltveränderungen“ (kurz KliBUp), nimmt sich u. a. dieser Forschungslücke an. In dem dazu gehörenden Teilprojekt M3b zur stationären Langzeitpflege wird untersucht, wie stationäre Pflegeeinrichtungen mit der Notwendigkeit zur gesundheitsbezogenen Krisen- und Katastrophenvorsorge umgehen. Welche Möglichkeiten sehen sie für sich, um die Resilienz gegenüber Krisen – hier insbesondere den Klimawandelfolgen – zu stärken? Wie erhalten und wie fördern sie (Klima)Gesundheit unter den gegebenen Umständen? Dabei interessiert vor allem, wie die Träger und Einrichtungen mit dem Spannungsfeld zwischen von außen an sie her-angetragenen normativen Anforderungen (top-down) einerseits und den von ihnen selbst angestoßenen einrichtungsbezogenen Entwicklungsprozessen (bottom-up) andererseits umgehen. In einem ersten Arbeitsschritt wurde in Kooperation mit dem KliBUp Teilprojekt 5b (Urban Public Health – räumliche Analyse) eine regional differenzierte Fallstudie zur Ermittlung der Ausgangssituation durchgeführt. Sie basiert auf einem Community Health Assessment und einer systematischen Dokumentenanalyse. Konkret untersucht wurden zwei Träger von stationären Pflegeeinrichtungen in urbanem und ländlich strukturiertem Umfeld: in Brandenburg der DRK-Kreis-verband Uckermark West / Oberbarnim e. V. mit zwei Einrichtungen im Barnim und der Uckermark (kurz DRK-KV) und in Berlin das Paritätische Seniorenwohnen mit drei Einrichtungen in Berlin-Lichtenberg (kurz PSW). Da beide Träger mit ihren Pflegeeinrichtungen in konkrete, gleichwohl unterschiedliche regionale Kontexte eingebunden sind, werden neben den übergeordneten Initiativen der Träger zur Katastrophenvorsorge und den organisatorischen Dimensionen der beteiligten Einrichtungen auch deren spezifische sozialräumliche Kontexte analysiert. Die Ausgangsanalyse dokumentiert neben den heterogenen sozialräumlichen und organisatio-nalen Bedingungen, auch bei der Datenverfügbarkeit große Unterschiede zwischen den beiden Fällen. Für Berlin-Lichtenberg stehen differenziertere und kleinräumigere Daten zur Verfügung als für den Barnim und die Uckermark. Dies verweist auf unterschiedliche institutionelle Voraussetzungen regionaler Planung im städtischen und ländlichen Raum und beeinflusst die Möglichkeiten von Risikoanalysen und Assessments. Beide Träger verfügen bereits über formalisierte Krisen- und Notfallkonzepte, gestalten diese jedoch unterschiedlich. Beim DRK-KV stehen all-gefahrenorientierte Ansätze mit Fokus auf Stromausfall, Bevorratung und infrastrukturelle Ausfälle im Vordergrund. Beim PSW zeigt sich eine stärker ausdifferenzierte Struktur mit Flussdiagrammen, Meldeketten, Evakuierungsplänen und einem standortspezifischen Klimaanpassungskonzept. Besonders ausgeprägt ist die Bearbeitung klimabedingter Gefährdungen wie Hitze und Starkregen. Partizipative Elemente im Sinne eines Bottom-up Ansatzes finden sich vor allem im Kontext einzelner Klimaanpassungsmaßnahmen. In der Summe verdeutlicht die sozialräumliche Analyse der Ausgangssituation, dass Klima- und Krisenvorsorge in stationären Pflegeeinrichtungen nicht allein organisationsinterne Aspekte und Abläufe betrifft. Sie ist zugleich von sozialräumlichen Bedingungen, kommunalen Netzwerken und regionalen Versorgungsstrukturen beeinflusst. Gesetzliche Vorgaben bilden einen Rahmen und Anstoß, ob und wie Maßnahmen umgesetzt werden. Die konkrete Planung und Umsetzung scheint aber in erheblichem Umfang auch Ressourcen im Umfeld der Einrichtungen, von ihren organisationalen Erfahrungen und Priorisierungen sowie von den lokal und regional gegebenen Handlungsspielräumen beeinflusst zu sein.