In dieser Masterarbeit wird die zukünftige Entwicklung der Beziehungen zwischen der Euro-päischen Union (EU) und Georgien im Kontext geopolitischer Umbrüche und wachsender Unsicherheit untersucht. Im Zentrum steht das Spannungsverhältnis zwischen der politi-schen Stabilität Georgiens und der Erweiterungsbereitschaft der EU. Es gilt als entscheidend für mögliche Integrationspfade. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gewinnt die EU-Erweiterung zunehmend an sicherheits- und geopolitischer Bedeu-tung. Methodisch basiert die Arbeit auf einer explorativen Szenarioanalyse nach der Quad-rantenmethode. Die empirische Grundlage bilden leitfadengestützte Experteninterviews sowie eine systematische Literaturauswertung. Darauf aufbauend werden vier konsistente Zukunftsszenarien bis 2035 entwickelt, die unterschiedliche Stabilitäts- und Erweiterungs-dynamiken abbilden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Beziehungen zwischen der EU und Ge-orgien wesentlich von Reformprozessen in Georgien sowie von der politischen und institu-tionellen Kohärenz der EU abhängen. Während unter günstigen Bedingungen gemeinsame Fortschritte möglich sind, verweisen alternative Szenarien auf Risiken wie autoritäre Entwick-lungen, Integrationsstagnation und geopolitische Neuorientierungen. Die Arbeit verdeutlicht, dass die EU-Erweiterung nicht allein durch formale Beitrittskriterien bestimmt wird, sondern zunehmend strategischen und geopolitischen Logiken folgt.