Die Debatte um ein Social-Media-Verbot für Minderjährige setzt einseitig auf Beschränkung und ignoriert die Frage der digitalen Teilhabe. Wer Jugendliche von kommerziellen Plattformen fernhalten will, ohne hochwertige Alternativen zu bieten, lässt sie mit den strukturellen Problemen allein. Zugleich ist Qualitätsjournalismus jenseits öffentlich-rechtlicher Medien für junge Menschen hinter Paywalls systematisch unzugänglich. Das wirft Gerechtigkeitsfragen (Art. 17 UN- Kinderrechtskonvention) auf und hemmt die Förderung von Lesekompetenz, Urteilsfähigkeit und demokratische Meinungsbildung. Unser Vorschlag: eine gemeinnützige, europäische Plattform – ein „Spotify für Journalismus“ –, die Qualitätsjournalismus datenarm, werbefrei und multiperspektivisch vornehmlich für Bildungszwecke zugänglich macht. Ein niedrigschwelliger Zugang über Schule und Bibliothek, ohne Anmeldung, ohne Tracking unterstützt Kinder und Jugendliche in ihrer freien Meinungsbildung. Warum es trägt: Verlage erreichen junge Zielgruppen, die sie sonst verlieren. Das ist kein „nice to have“, sondern eine Überlebensfrage. Die Beteiligung lässt sich über den UrhWissG-Rahmen strukturell verankern. Die Plattform wäre ein konkretes Umsetzungsinstrument des European Media Freedom Act. Was jetzt gebraucht wird: ein Angebotsprogramm ergänzend zur Regulierungsdebatte, eine deutsche Pilotphase als Proof of Concept und die Erweiterung des UrhWissG-Rahmens für den eigenständigen Volltext-Zugriff durch Schülerinnen und Schüler.