Die Klimakrise zählt zu den zentralen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, gleichzeitig lässt sich in öffentlichen Debatten eine zunehmende Klimamüdigkeit beobachten, die mit sinkender Wahrnehmungsrelevanz des Klimaschutzes, politischer Resignation und konkurrierenden Krisenerfahrungen einhergeht. Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern Klimaschutz unter diesen Bedingungen eine curriculare Leerstelle der schulischen politischen Bildung in Berlin darstellt und welche politikdidaktischen Konsequenzen sich daraus ergeben. Grundlage der Untersuchung bilden eine literaturgestützte Analyse politikdidaktischer, demokratietheoretischer und nachhaltigkeitsbezogener Ansätze sowie eine systematische Analyse der Berliner Rahmenlehrpläne für die politische Bildung in der Sekundarstufe I und II, darauf aufbauend werden konzeptionelle Vorschläge für eine stärkere curriculare Verankerung von Klimaschutz entwickelt.
Die Ergebnisse zeigen, dass Klimaschutz trotz seiner gesellschaftlichen Relevanz in den untersuchten Curricula überwiegend fragmentiert, unverbindlich und nur begrenzt als eigenständiger Gegenstand politischer Urteilsbildung verankert ist. Zwar bestehen Anknüpfungspunkte zu Nachhaltigkeit und Bildung für nachhaltige Entwicklung, jedoch fehlt eine systematische demokratietheoretische Einbettung klimabezogener Transformationsfragen. Vor dem Hintergrund zunehmender Klimamüdigkeit wird argumentiert, dass schulische politische Bildung stärker zur Förderung von Zukunftsorientierung, politischer Selbstwirksamkeit und gesellschaftlicher Transformationskompetenz beitragen sollte.
Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer konzeptionellen Neubestimmung politischer Bildung, die Klimaschutz nicht als ergänzendes Spezialthema, sondern als grundlegende Herausforderung demokratischer Gesellschaften begreift. Die Arbeit leistet damit einen Beitrag zur Verbindung von Klimaschutz, Demokratiebildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung und entwickelt Perspektiven für eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung schulischer politischer Bildung.