Zwischen 1933 bis zum Ende des 2. Weltkriegs war Lateinamerika ein wichtiges Ziel für alle, die vor dem Nationalsozialismus flüchteten. Die Remigration deutscher Jüdinnen und Juden aus Lateinamerika in die Bundesrepublik Deutschland zwischen 1945 bis ca. 1970 war oft von der Hoffnung begleitet, auf Grundlage des Bundesentschädigungsgesetzes geraubtes Eigentum wiederzuerlangen. Die Dokumente dieser Versuche lagern in Berliner Behördenkellern, und zwar als Akten der Entschädigungsbehörde des Landes Berlin, in denen die Betroffenen Aussagen über ihre Lebensumstände im deutschen Nationalsozialismus und in Lateinamerika machen. Das Buch versucht, anhand dieser Dokumente die Erfahrungen geflüchteter Jüd*innen im lateinamerikanischen Exil (vor allem in Bolivien und Ecuador) aufzuarbeiten. Das Augenmerk liegt auf den familiären Situationen und Netzwerken, dem Wissenserwerb, auf den Kontinuitäten des Antisemitismus und der Problematik von Rückwanderung und Entschädigung im Berlin der Nachkriegszeit.