Pferd, Frau, Film und Zirkus sind untrennbar miteinander verwoben. Diese Masterarbeit untersucht die Kulturpraxis des „Horse Diving" – des Sprungs von Pferd und Reiterin aus einer Anhöhe ins Wasser – aus einer Perspektive der New Film History. Sie bearbeitet dessen filmische Transformationen und komplexe interdisziplinäre Beziehungen zwischen zwei parallelen Strömungen: einer europäischen Zirkustradition und einer nordamerikanischen Jahrmarkt- sowie Wild-West-Kultur. Ausgehend von Film- und Zirkuspionierinnen wie Alice Guy, Fern Andra und Minna Schulze, die ihre Sprünge für Überzeichnungen und Selbstmythologisierungen nutzen, stehen vier (Bewegt-)Bildkulturen im Zentrum: Erstens dokumentarisches Archivmaterial, das die Kulturpraxis zwischen 1899 und 2012 vorstellt. Zweitens animierte Sprünge des Cartoons „Circus CapersW (USA 1930) und der Folge „Saddlesore Galactica" der Simpsons (USA 2000). Drittens ein Spielfilm „Wild Hearts Can’t Be Broken" (USA 1991) und viertens ein früher Film „Um Krone und Peitsche / Der Todessprung" (D 1919). Die filmische Bearbeitung des Horse Divings ermöglicht es, so die These, komplexe Beziehungen zwischen Film, Pferd, Frau und Zirkus aufzuzeigen. Der Zugang mit feministischen und tierethischen Perspektiven kann tradierten, patriarchalen Narrativen entgegenwirken, indem die Fähigkeiten von Pferd und Frau, deren entanglement sowie agency hervorgehoben werden. In den Wechselspielen und medialen Transformationen eröffnen sich Potenziale, Filmgeschichte als nicht linear und diskontinuierlich zu verstehen und dabei den Bezug zu Zirkus-, Kultur- und Pferdeperspektiven herauszustellen. Die interdisziplinäre Herangehensweise verbindet filmwissenschaftliche Theorien von Matthias Christen oder Akira Mizuta Lippit mit kulturhistorischen Arbeiten wie Stephanie Härdles über Zirkusartistinnen oder För Künkel und Mirjam Hildbrands Publikation über Zirkus in Berlin um 1900. Hinzu kommen Pferde(kultur)wissenschaft zu Reitsport und Reitkultur sowie Human Animal Studies. In Anlehnung an Donna Haraway werden mit Animal Performance Studies machtkritische Perspektiven auf Tier-Mensch-Beziehungen in Unterhaltungskontexten weitergedacht.