Die vorliegende Arbeit untersucht, wie sich der biographische Umbruch des Alleinerziehend-Werdens bei Frauen auf ihre Einstellungen zu und den Umgang mit Geld auswirkt. Ausgangspunkt ist die gesellschaftliche Diskussion um die ökonomische Benachteiligung von alleinerziehenden Frauen und der nicht vollständig erklärte Gender Gap innerhalb der finanziellen Bildung. Im Rahmen einer Sekundäranalyse wurden biographisch narrative Interviews aus dem Forschungsprojekt Finanz_Net ausgewertet. Methodologisch orientiert sich die Arbeit an der Grounded Theory Methodologie (Strauss & Corbin 1996), um theoretisch fundierte Kategorien aus den Daten zu entwickeln. Analysiert wurden die Erzählungen von vier Frauen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten und auf verschiedenen Wegen alleinerziehend wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Frauen das Alleinerziehend-Werden nicht als umfassenden biographischen Wendepunkt rekonstruieren. Vielmehr verschiebt sich vor allem die finanzielle Verantwortung: Mit dem Wegfall des stereotyp ‚männlichen Versorgers‘ übernehmen die Frauen zusätzlich zum bestehenden Hauptteil der Carearbeit finanzielle Sorge für sich und ihre Kinder. Der in der Arbeit entwickelte Begriff der finanziellen Sorge verweist auf die Verschränkung von ökonomischer Verantwortung und weiblicher Sorgearbeit. Die angewandten Strategien der Frauen sind biographisch gerahmt und Ausdruck individueller Erfahrungsaufschichtungen im Umgang mit Geld und Verantwortung.
This study examines how the biographical transition to single parenthood affects women's attitudes toward and handling of money. The starting point is the social debate surrounding the economic disadvantage of single mothers and the not fully explained gender gap in financial education. As part of a secondary analysis, biographical narrative interviews from the Finanz_Net research project were evaluated. Methodologically, the study is based on grounded theory methodology (Strauss & Corbin 1996) in order to develop theoretically sound categories from the data. The narratives of four women who became single parents at different times and in different ways were analyzed. The results show that the women do not reconstruct entering the phase of single parenthood as a comprehensive biographical turning point. Rather, it is primarily financial responsibility that shifts: with the disappearance of the stereotypical ‘male provider’, women take on financial responsibility for themselves and their children in addition to the existing bulk of care work. The concept of financial responsibility developed in the study refers to the entanglement of economic responsibility and female care work. The strategies employed by the women are framed by their biographies and reflect their individual experiences in dealing with money and responsibility.