Die Dauer von Schulschließungen während der Corona-Pandemie variierte erheblich zwischen den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und lässt sich nicht allein durch die epidemiologische Gefährdungslage erklären. Gleichzeitig stellten Schulschließungen erhebliche Eingriffe in das Recht auf Bildung und weitere Kinderrechte dar, zu deren Wahrung sich alle EU-Staaten völkerrechtlich verpflichtet haben. Vor diesem Hintergrund untersucht diese Masterarbeit, ob und in welchem Maße die Bedeutung der Rechte von Kindern im nationalen Kontext zur Erklärung der unterschiedlichen Dauer von Schulschließungen in der Pandemiepolitik der Jahre 2020 und 2021 beitrug. Aufbauend auf dem Forschungsansatz der „Kinderrechte-Governance“ werden Kinderrechte als politisch mobilisierbare Normen verstanden, deren Wirkung von Akteur*innen, Institutionen und Strukturen abhängt. Die Arbeit argumentiert, dass eine stärkere Rolle von Kinderrechten bei der Entwicklung politischer Entscheidungen mit kürzeren Schulschließungen einherging. Empirisch stützt sich die Analyse auf ein Mixed-Methods-Design aus quantitativer Ländervergleichsanalyse und vergleichender Fallstudie. Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere in liberalen Demokratien Kinderrechte häufiger und vielfältiger mobilisiert wurden, während in Ländern mit langen Schulschließungen entsprechende Bezüge weitgehend ausblieben.