Die Dissertation untersucht die zeitgenössische Kunstproduktion in Mosambik mit besonderem Fokus auf die Herausbildung und Institutionalisierung des Begriffs „zeitgenössische Kunst“ als analytische und praxisbezogene Kategorie. Ausgangspunkt ist die Gründung des Movimento de Arte Contemporânea de Moçambique (MUVART) im Jahr 2002, durch das der Begriff im mosambikanischen Kontext verankert und neu definiert wurde. MUVART verband lokale kunsthistorische Entwicklungen mit internationalen Diskursen und initiierte damit weitreichende Transformationsprozesse innerhalb der mosambikanischen Kunstwelt. Die Arbeit analysiert diese Entwicklungen vor dem Hintergrund der seit den 1950er Jahren gewachsenen kunstästhetischen Paradigmen, die eng mit der Konstruktion einer nationalen Identität verknüpft waren und eine Dichotomie zwischen „mosambikanischer“ und „nicht-mosambikanischer“ Kunst etablierten. Seit den 1990er Jahren wurden diese Paradigmen zunehmend kritisch hinterfragt. Die Einführung zeitgenössischer Kunstpraktiken durch MUVART eröffnete neue Formen der Produktion und Präsentation und ermöglichte eine stärkere internationale Vernetzung, ohne die lokale Verortung aufzugeben. Die Studie zeigt, dass zeitgenössische Kunst in Mosambik als dynamischer Aushandlungsprozess zwischen lokalen und globalen Diskursen verstanden werden muss. Der Begriff „zeitgenössische Kunst“ wird dabei nicht normativ, sondern als analytische Kategorie gefasst, die diskursiv und praktisch konstruiert wird. Auf diese Weise trägt die Arbeit zu einer differenzierten Betrachtung global verflochtener Kunstpraktiken bei und leistet einen Beitrag zur Dekonstruktion singulärer, westlich geprägter Erzählungen zeitgenössischer Kunst.