Ziel der Arbeit war die Unterscheidung der Tumorentwicklung akraler Plattenepithelkarzinome und ihres Verlaufs unter Berücksichtigung der Rassevarietäten der Riesen-, Mittel- und Zwergschnauzer.
Die im Rahmen der Studie genutzten Proben entstammten der Pathologie der LABOKLIN GmbH & Co. KG, Bad Kissingen und einer schriftlichen Befragung von Tierärzten und Tierbesitzern aus den Jahren 2013 bis 2023. Insgesamt wurden 478 Fälle dokumentiert und statistisch analysiert. Aufgrund der auffällig geringen Anzahl von Fällen von Zwergschnauzern beschränkten sich die statistischen Analysen und vergleichenden Betrachtungen meist auf Riesen- und Mittelschnauzer.
Die betroffenen Hunde erkrankten im Median im Alter von neun Jahren, die schwarze Fellfarbe dominierte und es war besonders bei den Riesenschnauzern eine Geschlechtsdisposition für Rüden erkennbar. Die vorderen Gliedmaßen waren häufiger betroffen als die Hintergliedmaßen, allerdings gab es signifikante Unterschiede in der Veranlagung der einzelnen Zehen zwischen den Rassen. Bei Riesen- und Mittelschnauzern war die Zehe I der Vordergliedmaßen signifikant häufiger betroffen. Auch an den Hintergliedmaßen gab es Rasseunterschiede: Zehe V war bei den Riesenschnauzern häufiger und Zehe I bei den Mittelschnauzern seltener betroffen.
Im Vordergrund der klinischen Symptome standen bei allen drei Rassen unspezifische Entzündungssymptome und Krallenveränderungen. Die Tumoren waren bei Riesenschnauzern signifikant größer als bei Mittel- und Zwergschnauzern. Typische Symptome waren Weichteilschwellungen, Krallenveränderungen und -verlust, Sekretion und Lahmheit. Unter den makroskopischen Befunden waren Neoplasien, Ulzeration und Osteolyse häufig. Die entzündlichen lokalen Symptome konnten unter konservativer Therapie mit Antiphlogistika und Antibiotika vorübergehend teilweise abklingen, womit jedoch keine echte Heilung erreicht wurde. Die Amputation als wichtigste Behandlung verlief bei Riesen- und Mittelschnauzern meist komplikationslos.
In 10 % der Fälle waren die Resektionsränder nicht frei von Tumorzellen. Meist sind davon Hunde betroffen, bei denen Teilresektionen der Zehen durchgeführt wurden. Aufgrund des Rezidivierungs- und Metastasierungsrisikos empfiehlt sich eine hohe Amputation. Plattenepithelkarzinome können im Verlauf der Erkrankung an mehreren Zehen auftreten. Multiple Plattenepithelkarzinome traten bei Mittelschnauzern signifikant häufiger als bei Riesenschnauzern auf und gingen nicht mit einer erhöhten Metastasierungsneigung einher. Metastasen sind jedoch generell möglich und traten in ca. 20 % der Fälle auf. Lokalisationen von Metastasen können innere Organe, die Haut oder das Skelett sein. Das Vorhandensein von Metastasen ging häufig mit einer Verkürzung der Überlebenszeit einher. In dieser Studie wurde im Nachbeobachtungszeitraum das Auftreten multipler Tumoren häufiger beobachtet als die Ausbildung von Metastasen. Die Nachbeobachtungszeit lag zwischen einem und acht Jahren, im Median überlebten die Hunde 718 Tage und starben mit elf Jahren (Riesenschnauzer) bzw. 13 Jahren (Mittelschnauzer).
Zusammenfassend konnten signifikante Unterschiede im biologischen Verhalten akraler Plattenepithelkarzinome bei Riesen- und Mittelschnauzern festgestellt werden. Das durchschnittliche Sterbealter bei beiden Rassen unterschied sich bei den Tieren mit und ohne Erkrankung nicht signifikant. Aufgrund des malignen Potenzials der Tumoren sollten im Einzelfall prophylaktische Maßnahmen und entsprechende Behandlungsmaßnahmen im Vordergrund stehen. Zur Feststellung eines erhöhten Risikos wird die Durchführung eines Gentests auf erhöhte CNV-Werte am KITLG-Lokus empfohlen. Risikotiere mit positivem Gentest, klinischer Vorbelastung oder entsprechendem Signalement sollten regelmäßig einer Kontrolle der Zehenendorgane unterzogen werden.
The aim of the study was to differentiate the development and progression of tumours in relation to the breed varieties of giant, medium-sized and miniature schnauzers. The samples were obtained from the pathology department of LABOKLIN GmbH & Co. KG, Bad Kissingen, and from a written survey of veterinarians and pet owners conducted between 2013 and 2023. A total of 478 cases were documented and statistically analysed. Due to the strikingly low number of cases involving miniature schnauzers, the statistical analyses and comparative observations were mostly limited to giant and standard schnauzers.
The affected dogs fell ill at a median age of nine years, with black coat colour predominating and a gender predisposition for male dogs in the case of giant schnauzers. The front limbs were more frequently affected than the hind limbs, but there were significant differences in the predisposition of individual toes between breeds. In giant and medium-sized schnauzers, toe I of the front limbs was significantly more frequently affected. There were breed differences in the hind limbs: toe V was more common in giant schnauzers and toe I less common in standard schnauzers.
The clinical symptoms in all three breeds were primarily non-specific inflammatory Symptoms and claw changes. The tumours were significantly larger in giant schnauzers than in medium and miniature schnauzers. Typical symptoms were soft tissue swelling, claw changes and loss, secretion and lameness. Among the macroscopic findings, neoplasia, ulceration and osteolysis were common. The local inflammatory symptoms may temporarily subside with conservative treatment with anti-inflammatory drugs and antibiotics, but this did not result in a genuine cure. Amputation, the most important treatment, was usually uncomplicated in giant and mediumsized schnauzers. In 10 % of cases, the resection margins were not free of tumour cells, mostly for dogs in which partial resection of the toes was performed. Due to the risk of recurrence and metastasis, high amputation is recommended.
Squamous cell carcinomas can occur on several toes during the course of the disease. Multiple squamous cell carcinomas were significantly more common in medium schnauzers than in giant schnauzers and were apparently not associated with an increased tendency to metastasize. Nevertheless, Metastases are generally possible, occurring in approximately 20 % of cases. Metastases can be located in internal organs, the skin or the skeleton. The presence of metastases was often associated with a shortened survival time.
In this study, the occurrence of multiple tumours was observed more frequently than the development of metastases. The follow-up period ranged from one to eight years, with a median survival time of 718 days and a median age at death of eleven years (giant Schnauzer) and 13 years (standard Schnauzer).
In summary, significant differences in the biological behaviour of acral squamous cell carcinomas in giant and medium schnauzers were found. The average age at death for both breeds did not differ significantly between animals with and without the disease. Due to the malignant potential of the tumours, prophylactic measures and appropriate treatment measures should be prioritized in individual cases. To determine an increased risk, a genetic test for elevated CNV values at the KITLG locus is recommended. At-risk animals with a positive genetic test, clinical history or corresponding characteristics should undergo regular check-ups of the toe end organs.